Aufruf zu den Demonstrationen
27.01.2012 - HOCHHEIM
Bürgerversammlung zum Thema Fluglärm in der Georg-Hofmann-Halle
(jk) - „Es waren zu viele Referenten eingeladen. Das hätte man gut und gerne auf zwei Bürgerversammlungen aufteilen sollen. Das war ein organisatorisches Manko“, lautete die Meinung eines Zuhörers am vergangenen Mittwoch. Zudem fand er es schade, dass erst nach 22 Uhr die Fragerunde für Bürger eingeläutet werden konnte. Das Gros der Anwesenden schien nach mehr als zweieinhalbstündigen Zuhörens wie erschlagen zu sein.
Die Resonanz auf die Einladung zur Bürgerversammlung zum Thema Fluglärm durch Stadtverordnetenvorsteher Egbert Opheys war für Hochheimer Verhältnisse enorm. Mehrere Hundert Bürger sowie Gäste aus Flörsheim, darunter Bürgermeister Michael Antenbrink und anderen Anrainergemeinden des Flughafens verfolgten die Versammlung. Die politischen Positionen der Stadt verdeutlichten Egbert Opheys und Bürgermeisterin Angelika Munck mit der zentralen Forderung, dass wirtschaftlicher Profit dem Schutz der Unversehrtheit des Lebens und der Gesundheit der Menschen nachgeordnet sein müsse. Durch die neue Landebahn werde dieses Prinzip auf den Kopf gestellt. Deshalb kämpfe die Stadt seit 1997 auf juristischem Weg gegen den Flughafenausbau. Zwei Millionen Euro wurden bereits in der Klagemeinschaft der Mainschiene-Städte, jetzt mit Mainz, aus dem städtischen Etat investiert. „Fluglärm macht krank. „Wir brauchen ein absolutes Nachtflugverbot und eine Beschränkung der Flugbewegungen am Tage“, betonte Ernst-Willi Hofmann, der die Stadt in den regionalen Gremien vertritt, die sich mit den Themen rund um den Flughafen befassen.
Er verwies auf die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Kassel, das festgestellt habe, „ein Ausbau sei okay, aber Nachtflüge nicht mit dem § 29 b Luftverkehrsgesetz vereinbar.“ Die große Hoffnung besteht darin, dass diese Auffassung das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig bestätigt. Dass dieser Nachtruhe-Paragraph durch Änderungen seitens des Gesetzgebers ausgehöhlt oder durch eine geplante EU-Verordnung außer Kraft gesetzt werden könnte, erwähnte Hofmann ebenfalls.
Auf Seite der Bürgerschaft beschäftigen sich vier Einrichtungen mit den Folgen des Flughafensausbaus. Der (Klage-)verein für Lebensqualität in Hochheim gegen Fluglärm, der vier Personen als Musterkläger finanziell unterstützt und sich auf den gerichtlichen Part des Widerstands konzentriert. Daneben die Bürgerinitiativen WiDeMa und Hochheim/Flörsheim sowie der Verein Gegenwind Rhein-Main. Letzterer will vor allen Dingen die Empörung und den Protest gegen den Flughafenausbau und dessen Folgen über die Region hinaus öffentlich machen. „Niemand muss sich das bieten lassen, es kann nicht sein, das einem Kind nur sechs Stunden Schlaf zugebilligt werden“, wettert Rolf Fritsch, der als Gegner die Politik und Fraport ins Visier nimmt. Unter anderem mit auffälligen Plakaten und wetterfesten Bannern, auf denen kurze und prägnante Leitsätze stehen, will „Gegenwind“ Aufmerksamkeit herstellen. Viele Motive hängen davon am Geländer in der Halle und können für 20 Euro gegen Spendenquittung erworben werden.