Exklusiv aus der Redaktion: Spannende Themen aus Hessen

Neues aus Hessen.

Bewerber aus dem Busch, ein immergleicher Ruf sowie alte und neue Leiern zur Ukraine: Ein paar wichtige Themen im Überblick.

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Hessen. Einen Storch brät man nicht. Erstens ist das Tier in seiner mythischen Überhöhung nicht nur als Kinderbringer auf einer für die Pfanne unerreichbaren Flughöhe. Zweitens, das lehrte mich ein Führer im Donaudelta, essen Menschen keine Vögel, die Fisch fressen. „Da brat mir einer einen Storch“ kennzeichnet als Redensart denn auch etwas Unerhörtes, etwas, das so nicht sein darf. Und trotzdem ist.

TOP 3 DES TAGES

Sag‘ mal, von wo kommt ihr denn her?


Nachfolger gesucht: Wer wird nach dem 24. Juni, wenn die Amtszeit von Jochen Partsch endet, im Dienstzimmer sitzen?
Nachfolger gesucht: Wer wird nach dem 24. Juni, wenn die Amtszeit von Jochen Partsch endet, im Dienstzimmer sitzen? (© Guido Schiek)
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Gestern Abend erklang diese Redensart, zugegeben: in etwas derberen Fassungen, in der Darmstädter Lokalredaktion unseres Medienhauses. Dort war der vorerst letzte Artikel zum Bewerberfeld für die Oberbürgermeisterwahl gerade vollendet. Nicht weniger als elf Kandidaten hatten sich, so stand es bis kurz vor sechs zu lesen, für die erste Runde am 19. März in Stellung gebracht. Dann kam der Storch und wurde prompt gebraten.

Genauer gesagt kamen auf den letzten Drücker offenbar mehrere Bewerber dazu. So plötzlich, dass auch die im Normalbetrieb mit Bierruhe gesegnete städtische Pressestelle ins Stammeln kam. „Völlig überraschend“ sei da noch was eingegangen, murmelte es dort; „weitere Wahlvorschläge“ halt, noch nicht geprüft, alles sehr kurzfristig – also im Grunde (das blieb ungesagt): Ich hab‘ eigentlich Feierabend. Anders mein Kollege André Heuwinkel, der den seinen ebenso kurzfristig verschob und sich daran machte, über das Darmstädter OB-Chaos zu gebieten.

Heiliger Bimbam!

Wesentlich weniger überraschend ist es, dass ich als gefallener Kirchen-Funktionär schon wieder mit dem Thema Papst um die Ecke komme. Versprochen: Es ist das vorerst letzte Mal, zumal die Sondersituation, gleich mehrere davon zu haben, ja jetzt Geschichte ist. Die Schlagzeile „Papst beerdigt Papst“ hat mich übrigens an einen Witz meines Englischlehrers erinnert, der (also der Witz) in den 1980er Jahren noch das Zeug hatte, für ordentlich Knies an der Schule zu sorgen: „Sollten Päpste heiraten dürfen?“ „Warum nicht, wenn sie sich wirklich lieben?“

Genug gescherzt, und genug geheiligt, meint der Religionswissenschaftler Massimo Faggioli. Der rechnet mit einem aus seiner Sicht sehr unguten neueren Brauch der katholischen Kirche ab. Er tut es nicht etwa in einer linken Gazette, sondern bei „katholisch.de“, nach eigenen Angaben „Das Nachrichtenportal der katholischen Kirche in Deutschland“.

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„Eine eindringliche Warnung“ nennt Faggioli seinen ganz und gar erstaunlichen Aufsatz, der auf einen eindringlichen Ruf antwortet. „Santo subito“ lautete er und meint die Forderung, den gestorbenen Papst Benedikt XVI. so rasch wie möglich heiligzusprechen – so wie fast alle seine Vorgänger seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Faggioli beklagt diese „schwindelerregende Schnelligkeit“. Sie laufe auf eine „Selbstkanonisierung“ der katholischen Kirche hinaus, die doch so vielen Menschen ganz und gar unheilvoll vorkommt.

Der Professor aus Philadelphia ist fair genug, beim dumpfen Benedikt-Bashing nicht mitzumachen. Joseph Ratzinger sei, gerade als Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation, sehr wohl ein Vertuscher gewesen; Benedikt XVI. aber habe die Umkehr zum Aufklärer zumindest ein Stück weit geschafft.

Kein schlechter Mensch also, aber auch kein Grund, die schwärende Wunde Missbrauchsskandal einfach wegzuheiligen. Überhaupt sei es letztlich Anmaßung, dass Päpste, anders als früher, mehr oder weniger im Alleingang Heilige schaffen. Und dann auch noch aus dem Reservoir der Vorgänger. Nein, meint Faggioli, ein Moratorium müsse her, nicht zuletzt zur „Reinigung des Gedächtnisses“ der Kirche.

Das Böse ist immer und überall

Sahra Wagenknecht (Linke)
Sahra Wagenknecht (Linke) (© DPA)

Nicht nur wegen solcher Stimmen nimmt sich die Kirche zuweilen modern aus im Vergleich zum russischen Regime und seinen westlichen Herolden, deren Vorstellung man gut fremdwörtlich mit „atavistisch“ beschreiben kann. Sehr böse fasst diese Grafik die Gemengelage zusammen, deutlich gediegener erklärt der Historiker Matthäus Wehowski, wer da alles von Frieden faselt und einen Verbrecher nicht bei seinem Krieg stören mag. Sarah Wagenknecht und Alexander Gauland etwa seien sich vollkommen einig darin, dass die Ukrainer gar nichts zu wollen und sich als Verfügungsmasse der großen Mächte zu fügen haben. Da blitzen wahlweise kommunistische, nationalistische und völkische Welterklärungen durch, vor allem aber eine grenzenlose Unmenschlichkeit.

Trösten mag man sich damit, dass der Füllstand der Gasspeicher (erwähnte ich, dass ich mit Pellets heize?) nach oben und der Gaspreis immerhin auf dem Weltmarkt nach unten geht. Und mit dieser Erläuterung für die gehobene Party-Konversation: Kriegs- und Friedensvölkerrecht unterscheiden zwar in „ius ad bellum“ (Recht zum Krieg) und „ius in bello“ (Recht im Krieg). Aber das erste gibt es seit 1945 faktisch nicht mehr, ein Angreifer ist nie im Recht. Das zweite wiederum setzt auch dem Handeln des Angegriffenen Grenzen. Alles schön erklärt am Beispiel des Boxkampfs.

ZU GUTER LETZT

Rumgehangen, mitgefangen

Kürzlich hatte ich die Ausführungen eines Strafrechtlers aufgegriffen, demzufolge klimakriminelle Aktionen nicht einfach so als Nötigung gewertet werden dürfen. Im Amtsgericht Schleswig wird dieser Newsletter aber anscheinend nicht gelesen. Dort verurteilte eine Richterin drei Frauen und einen Mann wegen Nötigung; sie hatten sich von einer Autobahnbrücke abgeseilt und damit den Verkehr zum Erliegen gebracht. Der Satz „Die Rechtsordnung erlaubt die Durchsetzung einer politischen Meinung auf Kosten der Rechte Dritter nicht“ aus dem Urteil ziert künftig meinen Bildschirmhintergrund.

Im Gerichtssaal haben sich die Delinquenten und ihre Anhängerschar durch Pöbeleien und Theatralik hervorgetan. Wer’s verpasst hat, kann nach Lützerath schauen, wo die Institutionen des Rechtsstaats das Wegbaggern eines Dorfs erlaubt haben. Auch dort haben Aktivisten ihre Kinderstube deaktiviert. Auch dort wächst zusammen, was nicht zusammengehört: Gitarren-Geklampfe ums Lagerfeuer und Steinwürfe plus Tiraden, die denen der Querdenker in nichts nachstehen.

Exklusiv aus der Redaktion „Rheinhessen am Mittag”

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