Weißer Ring 2022 öfter als sonst mit Amokläufen befasst

Trauer um die Opfer des Amoklaufs an Universität Heidelberg

Weißer Ring 2022 öfter als sonst mit Amokläufen befasst

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Mainz (dpa) - . Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings waren noch nie so oft nach Amokläufen und ähnlichen Gewalttaten im öffentlichen Raum im Einsatz wie 2022. Sechsmal setzte die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer nach einem solchen „Großereignis“ vereinsinterne Pläne für den Umgang damit um, wie der Bundesvorsitzende Patrick Liesching der Deutschen Presse-Agentur in Mainz sagte. Der Weiße Ring wurde 1976 gegründet.

Diese Organisationsstruktur ermögliche es den Ehrenamtlichen, „schneller und effizienter zu helfen“, sagte Liesching, der auch Leiter der Staatsanwaltschaft in Fulda ist. „Sie sollen nach einer solchen Tat ausschließlich für die Opfer da sein.“

Zu den sechs Straftaten gehören der Amoklauf in der Heidelberger Universität, bei dem eine Studentin getötet wurde, die Amokfahrt auf dem Berliner Kurfürstendamm in eine Menschenmenge und zuletzt die Geiselnahme in Dresden im Dezember. Die anderen drei Ereignisse waren eine Gewalttat an einem Gymnasium in Bremerhaven, ein Messerangriff an der Hochschule in Hamm-Lippstadt sowie ein Angriff einer Frau in Weiden mit einem schwertähnlichen Gegenstand auf mehrere Menschen.

Der Weiße Ring hat nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 einen festen Leitfaden für „Großereignisse“ entwickelt. Die vielen Opfer, die damit verbundenen internationalen Behördenkontakte und zahllose andere Anfragen etwa der Medien hätten die ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen „an die Grenzen ihrer Belastbarkeit“ geführt. Seither gibt es in jedem Landesverband Koordinatoren für solche Ereignisse sowie regelmäßige Seminare im „Umgang mit Großereignissen“ der vereinseigenen Akademie. Die Opferschutzorganisation hat klare Regeln für finanzielle Soforthilfen, die Medienarbeit und den Umgang mit Betroffenen wie Ersthelfern und Augenzeugen festgelegt.

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Der Weiße Ring hat 18 Landesverbände, in Nordrhein-Westfalen und Bayern sind es wegen der Größe der Länder je zwei. Bundesweit gibt es rund 400 Außenstellen und etwa 3000 ehrenamtliche Berater für die Opfer. Die Zahl der regelmäßigen Unterstützer - Mitglieder sowie Spender - gibt der Verein mit rund 108.000 an.