530.000 Besucher erleben fünf tolle Tage

Als er sich am Mittwochmorgen zum Gespräch im Marktbüro einfindet, herrscht auf dem Gelände emsiges Abbauen, insbesondere die großen Fahrgeschäfte haben es sehr eilig....

Anzeige

HOCHHEIM. Als er sich am Mittwochmorgen zum Gespräch im Marktbüro einfindet, herrscht auf dem Gelände emsiges Abbauen, insbesondere die großen Fahrgeschäfte haben es sehr eilig. Denn bereits in einer Woche beginnt die Aufbauphase von Weihnachtsmärkten in zahlreichen Städten. Und nach dem verordneten Stillstand während der Corona-Pandemie bieten diese Märkte in Deutschland die Möglichkeit, notwendige Einnahmen für die Schaustellerbetriebe, die meist als Familienunternehmen organisiert sind, zu generieren.

„Auch wenn wir vorgezogene Schlusszeiten hatten, war es uns wichtig, den Marktbetreibern, insbesondere den großen Fahrbetrieben, mitzuteilen, dass es verboten ist, direkt nach Schluss des Marktes am Dienstag abzubauen. Aus Rücksichtnahme auf die Anwohner“, sagte Marktmeister Thomas Pokoyski im Gespräch mit der HZ. Und alle hielten sich an diese Vorschrift. Was erlaubt blieb, war das Herausfahren der anhängerbasierten Stände. Marktbuden indes, die demontiert werden mussten, konnten erst ab Mittwoch abgeschlagen werden. „Damit hatten wir bereits am Dienstagabend die ersten Stände aus dem Festgebiet fort und mehr Raum für die anderen zum Abbau zur Verfügung “, betont Pokoyski die seit Jahren geübte Praxis an Hochheimer Märkten.

Dass der Markt in dieser Größenordnung stattfinden konnte und rund 530.000 Menschen auf das Festgebiet kamen, überraschte viele Marktbesucher positiv. Auch wenn die detaillierte Bestandsaufnahme am Mittwoch noch nicht zur Gänze vorlag, waren es geschätzt knapp 600 Stände, die sich auf dem Marktgelände verteilten. „Das sind nur unter zehn Prozent weniger an Beschickern und Ständen als 2019, der letzten Ausgabe eines „normalen“ Marktes“.

Thomas Pokoyski und sein Team von der Wohnungsbaugesellschaft sind stolz, dass der 536. Markt in dieser Dimension hatte stattfinden können. Denn die Arbeit im Vorfeld war herausfordernder als bei den Märkten in der Vorcoronazeit, wie dies Bürgermeister Dirk Westedt bei der Eröffnungsveranstaltung am Freitag erwähnt hatte. Das lag vor allem an dem kurzen Zeitfenster. „Wir mussten warten, bis die politische Entscheidung zur Austragung eines Markts in gewohnter Form im August gefasst wurde“, sagt Pokoyski. Natürlich standen die Stammkunden für die Marktstände parat. Doch es galt mit Augenmaß die anderen Standplätze zu vergeben. „Keine Frage: Wir hätten locker wieder bis zur Burgeffstraße alle Plätze in der Weiherstraße belegen können“, betont der Marktmeister. Es gab enorm viele Anfragen. Diese mussten aber auch mit einem entsprechenden Produktangebot zu der Hochheimer Traditionsveranstaltung passen.

Anzeige

Der Hochheimer Markt zeichnet sich durch ein bestimmtes Qualitätsniveau aus, das nicht unterschritten werden dürfe. „Dieses Anliegen verfolgten schon meine Vorgänger. Qualität geht vor Quantität“, so der Marktmeister. So wurden die bewusst gelassenen Lücken, etwa in der Weiherstraße positiv von Besuchern wie Standbetreibern aufgenommen, um ausweichen zu können. Das Gefühl der Menschen, sich in einer großen Personenmenge bewegen zu müssen, sei ein anderes geworden, verursacht durch die Pandemie. Auch auf dem Marktgelände selbst wurden die Freiflächen genutzt für eine luftigere Anordnung der Stände und zur Unterbringung notwendiger Infrastruktur. Wohnmobile, Kühlaggregate, Warenlagerung und anderes konnten beispielsweise durch den Wegfall eines Zeltmoduls direkt an das Ausstellerzelt großflächig angedockt werden.

Was den Anteil des Markthandels als einen zentralen Baustein des Hochheimer Marktes betrifft, so wird sich die Situation in den nächsten Jahren noch weiter verändern. Hier fehlt es an der Nachfolgegeneration, die das Geschäft übernehmen könnte, betont Pokoyski. Darauf müsse sich die Marktverwaltung konzeptionell einstellen: „Um die Qualität und die Vielfalt des Marktes zu erhalten, könnte dies bedeuten, den Markt zu verkleinern, etwa im Bereich der Weiherstraße“. Ganz anders sieht die Situation bei den Schausteller- und Fahrgeschäften aus, die keine Nachwuchssorgen haben und sich sehr widerstandsfähig in der Pandemie gezeigt hätten.

Was ihn besonders freue, nahezu jeder habe an Markt gute Geschäfte machen können. In vielen Gesprächen mit Standbetreibern erfuhr der Marktmeister, dass weder Energiekrise noch Inflation im Portemonnaie der Marktbesucher bislang angekommen sei. Es wurde wie üblich konsumiert. „Wir wissen nicht, wie dies im nächsten Jahr sein wird, aber wir blicken positiv auf den Markt 2023“. Was die Menschen direkt nicht mitbekommen und hinter den Kulissen wie Zahnräder ineinanderlaufen muss, ist das kostenintensive Sicherheitskonzept und die Verkehrslenkungsmaßnahmen, die für das Großereignis vorgeschrieben sind. (Siehe hierzu den Artikel auf Seite 10 dieser Ausgabe). Alle diese notwendigen Maßnahmen, etwa der Einsatz von Pendelbussen, um ein Verkehrschaos zu vermeiden, führten dazu, dass der Markt keinen Gewinn mehr erwirtschaften kann. „Die Auflagen sind einfach zu hoch, sodass ohne finanzielle Unterstützung der Stadt die Wohnungsbaugesellschaft diese wirtschaftliche und kulturelle Traditionsveranstaltung alleine nicht mehr stemmen kann“, unterstreicht Thomas Pokoyski. Im Rahmen des Pressegesprächs zum aktuellen Haushaltsentwurf (siehe neben stehenden Artikel) teilte der Bürgermeister mit, 250.000 Euro hätte die Stadt für diesen Markt zuschießen müssen.

Das Marktbüro wurde in diesem Jahr nahezu permanent kontaktiert als Informationszentrum. „Das ging wie in einem Bienenschwarm.“ Coronabedingt erfolgte die Kommunikation am Bürofenster. „Wir überlegen uns, zusätzlich einen Stand für Anfragen aufzustellen, denn das Informationsbedürfnis der Besucher ist sonst nicht mehr zu bewältigen“, so der Marktmeister. Denn freilich hält das Marktbüro den Kontakt zu den Standbetreibern, bearbeitet Anfragen, kümmert sich um Beschwerden.

„Wir müssen uns personell anders aufstellen“, bedeutet Pokoyski. Es brauche weitere Mitarbeiter. Etwa im Bereich der Produktkontrollen. An diesem Markt war er mit einem Mitarbeiter unterwegs, um die mit der Standanmeldung gelisteten Produkte mit dem tatsächlichen Warenangebot zu vergleichen. Zu zweit sei das kaum zu leisten und binde enorm viel Arbeitszeit. Diese Kontrollaufgaben sollte ein Team übernehmen, das bereits im Vorfeld alle Dokumente im Blick habe und sich vor Ort um die Stände mit ihren Produkten kümmere. Warenkontrolle sorge für ein Stück Marktgerechtigkeit, so der Marktmeister abschließend.