Absturz von Aktivistin: Polizist soll Seil durchtrennt haben

Ein Polizist steht im Dannenröder Forst vor einem Baumhaus, in dem sich Aktivisten aufhalten. Aktivisten protestierten gegen geplante Rodungsarbeiten für den Weiterbau der Autobahn 49. Polizisten sind damit beschäftigt, die verschiedenen Barrieren zu räumen.  Symbolfoto: Helmut Fricke/dpa

Nachdem eine Frau am Sonntag im Dannenröder Wald von einem Holzgestell gestürzt ist, hat sich ein Beamter zu Wort gemeldet. Dieser soll ein Seil durchtrennt haben.

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HOMBERG/OHM. Den siebten Tag in Folge ist die Polizei im Dannenröder Wald in Mittelhessen im Einsatz, wo sich Umweltaktivisten gegen Rodungen für den Weiterbau der Autobahn 49 stemmen. Die Beamten seien am Morgen wieder im nördlichen Teil des Forstes vor Ort, teilte ein Polizeisprecher am Montag mit. Die Ermittlungen zum Absturz einer Aktivistin laufen demnach weiter. Die Frau war am Sonntag von einem etwa drei bis vier Meter hohen Gestell auf den Boden gestürzt und kam ins Krankenhaus. Ihr gehe es "den Umständen entsprechend gut", teilten Aktivisten am Montag auf Twitter mit. Lebensgefahr beste laut Informationen der Presseagentur dpa nicht.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei zu dem Vorfall heißt es am Montag: "Ein 40-jähriger Polizeibeamter, der sich etwa 30 Meter vom besagten Tripod entfernt aufhielt, entdeckte ein Seil auf Kopfhöhe. Dieses Seil war weder gekennzeichnet noch hatte es augenscheinlich eine erkennbare Verbindung mit dem besetzten Gebilde. Nach jetzigem Erkenntnisstand bestand jedoch tatsächlich eine Verknüpfung zwischen dem Seil und dem Tripod."

Der Beamte, der sich laut Polizei "eigeninitiativ im Laufe des gestrigen Nachmittages bei den Ermittlern gemeldet hatte", soll das Seil durchtrennt haben. Als Grund gaben die Ermittler an, dass der Beamte Gefahren für Leib und Leben von Menschen minimieren wollte. In den vergangenen Tagen seinem mehrfach Fallen in Form von Nagelbrettern, Nageleimern, aber auch Drahtseilen in Kopfhöhe entdeckt worden.

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Die Staatsanwaltschaft Gießen habe nun ein Verfahren gegen den Polizeibeamten wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt eingeleitet. "Es liegen bislang keinerlei Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln des Beamten vor", heißt es in der Mitteilung weiter.

Die Räumungsaktionen und ersten Rodungen im Dannenröder Wald laufen seit vergangenen Dienstag. Seit mehr als einem Jahr halten Umwelt- und Klimaaktivisten den Forst aus Protest gegen die Rodungen für den A49-Lückenschluss besetzt.