Aus der Redaktion (5): Warum es einen Weltnachrichtentag gibt

Es ist entweder Fake oder News. Ein US-Präsident diskreditiert systematisch journalistische Arbeit. Foto: dpa

Warum brauchen wir einen World News Day am 28. September?

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. Warum brauchen wir einen Welttag der Nachrichten (World News Day)? Reichen nicht der Tag der Blockflöte (10. Januar), für den Regenwurm (15. Februar) und - nicht zu vergessen - der Tag des Butterbrotes, den Sie am Freitag hätten feiern können? Niemand bestreitet dem Butterbrot, der Blockflöte und dem Regenwurm einen Platz in der Welt, aber die Produkte des professionell arbeitenden Journalismus sind für ein Gemeinwesen systemrelevant. Wenn am 28. September rund 100 Verlage und Medienunternehmen weltweit daran erinnern, haben sie genug Beispiele, warum es der investigativen Recherche bedarf.

Bis vor Kurzem musste sich die Financial Times Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München erwehren. Die britischen Kollegen hatten dem Dax-Unternehmen Wirecard Milliardenbetrügereien nachgewiesen. Inzwischen jagt die halbe Welt die Ganoven aus der Chefetage; staatliche Stellen ringen um Rechtfertigungen, warum sie nicht so hartnäckig nachgefragt haben wie die Reporter. Der Verleger Jimmy Lai geriet in Untersuchungshaft, die Redaktionsräume seiner Zeitung Apple Daily wurden durchsucht, weil den Behörden in Hongkong die Berichterstattung über Anti-Regierungsproteste störte. Ein klassisches Beispiel dafür, den Boten zu schlagen, der eine - für das Regime - brisante Nachricht überbringt.

Mit diesem Motiv hat der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger zum 28. September auf die Notwendigkeit verlässlicher Nachrichten aufmerksam gemacht.  Grafik: BDZV
Mit diesem Motiv hat der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger zum 28. September auf die Notwendigkeit verlässlicher Nachrichten aufmerksam gemacht. (© Grafik: BDZV)

Mit dem Leben haben Journalisten auf Malta, in der Slowakei, in Paris, Annapolis, Russland oder in der Türkei für ihre Arbeit bezahlt. Regime, die sich aus der Demokratie verabschieden, unterminieren zuerst die öffentliche Meinung - zu beobachten in Ungarn, Polen und Tschechien, vor allem in der Türkei. Paradebeispiel USA, wo ein regierender Präsident den renommierten Zeitungen Fakenews vorwirft. Das sei ein irreführender Begriff, sagt Journalismus-Professorin Joy Mayer. Wenn es Fake (also Fälschung) sei, könne es keine News (also Nachricht) sein.

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Manchmal reicht aus, wenn jemand aufschreibt, was ein anderer sagt, um ihn zu entlarven. Der legendäre Reporter der Washington Post, Bob Woodward, hat gerade ein Buch herausgegeben, in dem er Donald Trump zitiert. Dadurch erfährt der verblüffte Leser, dass der Präsident von Anfang an die Gefahr durch das Virus Covid-19 heruntergespielt hat.

Wissenschaftlich nicht untersucht ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Qualität der Medien eines Landes und dessen Zahl der Kranken und Toten in der Corona-Pandemie gibt. Der Weltnachrichtentag sei eine Gelegenheit, die Geschichte zu erzählen, wie Hunderte Nachrichtenredaktionen auf der ganzen Welt auf diese globale Krise reagiert und dazu beigetragen hätten, unsere Gesellschaften auf dem Laufenden zu halten, sagt Warren Fernandez, Präsident des World Editors Forum und Chefredakteur der Straits Times in Singapur.

Medienprofessorin Mayer rät Lesern zu fairer Kritik. Sie sollten ihr "Medium" fragen, welche Wertehaltung die Journalisten hätten und sich melden, wenn ihnen Darstellungen nicht gefallen. Aber auf keinen Fall sollten sie zu Gewalt aufrufen, dies auch bei Freunden verhindern und erst recht bei ihrem Präsidenten.

Von Stefan Schröder