Betrug: 28-Jährige am Telefon um 25.000 Euro gebracht

Durch Insiderwissen und geschickte Gesprächsführung ergaunerten sich Betrüger in Mittelhessen 25.000 Euro von einer 28-Jährigen. Symbolfoto: dpa

Eine Mittelhessin ist am Telefon Opfer von Betrügern geworden. Diese hatten sich so glaubwürdig als Mitarbeiter ihrer Bank ausgegeben, dass die Frau keinen Verdacht schöpfte.

Anzeige

MITTELHESSEN. Enkeltrick, Schockanrufe angebliche Polizeibeamte oder Mitarbeiter von Microsoft: Wie geschickt Betrüger vorgehen, hat ein Fall aus Mittelhessen gezeigt, bei dem sich ein Betrüger als Bankangestellter ausgab und von einer 28 Jahre alten Frau fast 25.000 Euro erbeutete.

Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, telefonierte der Betrüger bereits am 25. August nahezu viereinhalb Stunden mit der in Mittelhessen lebenden Frau. Das Telefondisplay ihres Handys zeigte die korrekte Rufnummer ihres Kreditinstituts an. Der Anrufer klang relativ jung, sprach deutsch ohne erkennbaren Akzent oder Dialekt. Er kannte nicht nur die Mobilfunknummer, sondern auch die "Hausbank" seines Opfers und laut Polizei sogar deren Zugangsmöglichkeit zum Online-Banking. Unklar sei derzeit noch, woher er diese Daten hatte. Aufgrund der Kenntnisse, des sehr eloquenten Auftretens und der vertrauenserweckenden Gesprächsführung schöpfte die 28-Jährige keinen Verdacht. Der Anrufer gab ihr dann zu verstehen, dass man wegen einer akuten Bedrohung ihres Kontos durch eine unbekannte Person sofort Schutzmaßnahmen ergreifen müsse.

Anzeige

Für diese Schutzmaßnahmen und zur angeblichen Verifizierung bedürfe es der Übermittlung von Transaktionsnummern ihres TAN-Generators. "Spätestens hier hätte das Gespräch beendet sein müssen, denn jetzt geht es ums Geld. Die Übermittlung von TAN gibt dem Empfänger freie Hand für Überweisungen an von ihm bestimmte Ziele", teilte der Experte der Kriminalprävention mit.

Da das ahnungslose Opfer mehrere TAN übermittelte, gelangen dem Betrüger mehrere Überweisungen mit einem Gesamtbetrag von fast 25.000 Euro. Als das Opfer am nächsten Tag Kontakt mit tatsächlichen Mitarbeitern ihrer Bank hatte, fiel der Betrug auf. Zu der Zeit war das Geld von den Zielkonten laut Polizei schon abgehoben worden und somit verloren.

In Mittelhessen gab es 2021 bislang 19 gleich gelagerte Fälle. Bei neun davon blieb es beim Betrugsversuch. Bei den zehn vollendeten Taten entstand ein Gesamtschaden von mehr als 37.000 Euro. "Von einer Dunkelziffer nicht angezeigter versuchter und vollendeter Betrügereien dieser Art ist auszugehen", heißt es vonseiten der Polizei.

Polizei bietet Beratung an

"Schützen Sie sich davor, Opfer von Betrügern am Telefon zu werden. Mitarbeiter von Bankinstituten oder generell von serösen Unternehmen fragen am Telefon niemals nach persönlichen Daten, ganz sicher nicht nach Kontonummer, Geheimnummern oder TAN. Erhalten Sie einen unerwarteten Anruf, bei dem es irgendwann um Geld, Vermögen oder Daten geht, dann überprüfen Sie, ob der Anruf authentisch ist, in dem sie auflegen und unter der ihnen bekannten Rufnummer zurückrufen. Betätigen Sie für diesen Rückruf niemals die Rückruffunktion, sondern wählen Sie bewusst neu. Verlassen Sie sich nicht auf die angezeigte Telefonnummer im Display. Die Anzeige lässt sich durch Anwendung von Computerprogrammen fälschen", rät Jan-Oliver Karo.

Der kriminalpolizeiliche Berater ist bei der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf unterstützt bei Fragen rund um das Thema Betrugsprävention unter der Rufnummer 06421-406 123.