City-Bahn: Entscheidung zur Mainzer Trasse frühestens Ende 2019

So könnte die City-Bahn durch die Mainzer Ludwigsstraße fahren.  Fotomontage: Sascha Kopp

In Sachen City-Bahn und genaue Wegstrecke will Mainz auf einen Bürgerentscheid in Wiesbaden warten. Schließlich ist die hessische Landeshauptstadt der Taktgeber bei dem Projekt.

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MAINZ . Auf welcher Trasse soll eine City-Bahn durch die Mainzer Innenstadt fahren? Mit der Entscheidung zu dieser Frage rechnet Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) erst frühestens Ende 2019. „Zunächst einmal benötigen wir Klarheit, ob der Bau der City-Bahn von Wiesbaden überhaupt gewollt ist“, sagte Ebling im AZ-Gespräch. Zur Debatte stehen aktuell als Alternativen die beiden Trassenvarianten über die Große Bleiche oder die Quintinsstraße und Ludwigsstraße.

Schon seit Monaten wird in der Nachbarstadt über einen Bürgerentscheid zum Bau der City-Bahn diskutiert. Unklar ist weiterhin, ob es zu solch einem Bürgervotum kommen wird und wenn ja, wann dies abgefragt wird. Da die Initiative für diese neue Straßenbahnstrecke von Wiesbaden ausging und der Streckenabschnitt zwischen der dortigen Hochschule Rhein-Main und dem Brückenkopf Kastel mit knapp zwölf Kilometern viel länger ist als die nur rund zwei Kilometer lange Anbindung der von der Theodor-Heuss-Brücke kommenden City-Bahn ans bestehende Mainzer Tramnetz, ist die hessische Landeshauptstadt der Taktgeber bei dem Projekt. Sollte ein Bürgerentscheid in Wiesbaden ein negatives Ergebnis bringen, wäre das Vorhaben auch für Mainz gestorben.

„Wir in Mainz machen weiterhin bei der City-Bahn unsere Hausaufgaben“ betont Ebling und verweist unter anderem auf den Dialog mit den Bürgern und den Workshop, der die Trassenführung diskutiert. Ein solches Projekt sei nur umsetzbar, wenn eine breite, politische Mehrheit dahinterstehe. Diese sei in Mainz wohl gegeben, meint der OB. In Wiesbaden sei dies aus seiner Sicht derzeit nicht durchschaubar. Positiv bewertet Ebling die neuen Beteiligungen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) und der Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV) an der City-Bahn GmbH. Dies würde den regionalen Charakter des Projektes unterstreichen.

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Gesamtlänge könnte über 35 Kilometer betragen

Für Wiesbaden hat das Mitwirken des RMV auch wegen der zu erwartenden Zuschüsse des Landes Hessen für ein damit nicht mehr kommunales, sondern regionales Verkehrsprojekt Bedeutung. An der Gesellschaft sind nunmehr die Mainzer Stadtwerke (32,45 Prozent), die Wiesbadener Holding Wohnen-Versorgung-Verkehr WVV (32,45 Prozent), die RTV (25,10 Prozent) und der RMV (10 Prozent) beteiligt. Die RTV sitzt mit im Boot, da die City-Bahn auf hessischer Seite von Wiesbaden aus bis nach Bad Schwalbach weitergeführt werden soll. Die Gesamtlänge der Straßenbahnstrecke von Bad Schwalbach über Wiesbaden und die Theodor-Heuss-Brücke bis zur Hochschule Mainz (neben der Opel Arena) würde damit über 35 Kilometer betragen, wobei 2,9 Kilometer des bestehenden Schienennetzes in Mainz zwischen Hauptbahnhof und 05-Stadion bereits eingerechnet sind.

Als Zeitplan für die Fertigstellung der Entwurfsplanung des Streckenabschnitts zwischen der Wiesbadener Hochschule Rhein-Main und der Hochschule Mainz sieht die City-Bahn GmbH den Herbst 2019 vor. Ob sich dieser Meilenstein des Projektes einhalten lässt, ist nach der unklaren Lage in Wiesbaden und der Aussage Eblings zur Entscheidungsfindung der städtischen Gremien über die Trassenführung in Mainz mit einem dicken Fragezeichen zu versehen

Von Michael Erfurth