Eintracht- und Lilien-Fans prügeln sich in Messel

Symbolfoto: Heiko Küverling/Fotolia

Am Bahnhof in Messel kommt es am Samstagabend zwischen Anhängern von Eintracht Frankfurt und Darmstadt 98 zu einem Gewaltausbruch.

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MESSEL. Der Bahnhof von Messel ist beschaulich – wer hier sonst nie aussteigt, würde sagen: Provinz. Doch am Samstagabend spielten sich an diesem Ort Szenen ab, die man sonst eher in einer Großstadt vermuten würde.

Gegen 19.20 Uhr warteten 40 bis 50 Personen am Bahnhof in Messel darauf, dass die Regionalbahn aus Aschaffenburg eintrifft. Aber es waren nicht etwa Reisende, die den Zug erwarteten und einsteigen wollten. Sondern „Fußballanhänger“, wie es in einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen heißt, die „offensichtlich Anhänger von Eintracht Frankfurt“ sind. Ihr Interesse galt einer Gruppe von rund 150 Fans des SV Darmstadt 98, die sich auf dem Rückweg von ihrem Zweitliga-Auswärtsspiel bei der Spielvereinigung Greuther Fürth in ebenjenem Zug befanden.

Wilde Szenen voller Gewalt

Nach Erkenntnissen der Polizei wurde die Regionalbahn sofort beim Einfahren in den Bahnhof mit Gegenständen attackiert. Demnach müssen sich wilde Szenen voller Gewalt im Zug und auf dem Bahnsteig abgespielt haben. Einige der Eintracht-Gewalttäter warfen Steine in den Zug, wahrscheinlich durch eine oder mehrere geöffnete Türen. „Es sollen auch Steine gegen Köpfe geworfen worden sein“, hieß es aus dem Polizeipräsidium Südhessen gegenüber dieser Zeitung. Im Zug lieferten sich die Eintracht- und Lilien-Sympathisanten Schlägereien, die auch außerhalb der Waggons fortgesetzt wurden. Die Polizei machte im Nachhinein sieben Verletzte aus, die teils mit Rettungswagen in ein Krankenhaus gefahren werden mussten. Unbeteiligte seien nicht darunter gewesen. Zumindest sei keine Anzeige bei der Polizei eingegangen.

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Im Zug saßen aber auch zwei Fankontaktbeamte in Zivil. Diese szenekundigen Beamten alarmierten die Polizei, als es zum Aufeinandertreffen der Fanlager kam. Auch weitere Notrufe von Reisenden erreichten die Ordnungshüter. Die Schlägerei müsse „einige Minuten gedauert haben“, sagte Jürgen Hoffmann von der Bundespolizei in Koblenz dieser Zeitung. Die Bundespolizei ist mit den Ermittlungen betraut worden, weil sie wegen des Tatorts an einem Bahnhof sachlich zuständig ist.

Doch kurz bevor die Polizei am Bahnhof Messel eintraf, flüchteten die Angreifer in Richtung Grube Messel. Die Beamten fahndeten unverzüglich nach ihnen und setzten dabei auch einen Polizeihubschrauber ein. Die Bemühungen „erbrachten erste Erkenntnisse zu möglichen Fluchtfahrzeugen“, heißt es von der Polizei weiter. Die Regionalbahn konnte ihre Fahrt erst um 20.52 Uhr, also eineinhalb Stunden nach der Ankunft in Messel, fortsetzen.

Großaufgebot an Einsatzkräften

Handelte es sich nun bei der Schlägerei um eine spontane Aktion – oder war sie von beiden Fanlagern von langer Hand geplant? Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Bundespolizei dazu noch keine gesicherten Erkenntnisse. Am Zug selbst sei ein Schaden entstanden, dessen Höhe aber noch nicht beziffert sei. Die Bundespolizei und Landespolizei sowie der Rettungsdienst und die Freiwillige Feuerwehr Messel waren mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort. Der SV Darmstadt 98 reagierte auf die Vorfälle. Am Sonntagmittag ließ der Verein auf seinem offiziellen Twitter-Account wissen: „Wir können bestätigen, dass es einen Angriff auf Lilien-Anhänger gegeben hat, im Zuge dessen es zu Verletzten auf beiden Seiten gekommen ist. Gegenwärtig arbeiten wir mit den Sicherheitsbehörden und Eintracht Frankfurt das Geschehen auf.“

Von Matthias Voigt