„Es geht hier um unsere Existenz“

Die Wasserversorgung in der Wetzlarer Straße ist derzeit durch Wasserschläuche gesichert. Die Anwohner befürchten, dass diese Notwasserversorgung bei sinkenden Temperaturen im Winter zum massiven Problem wird – und die Wasserleitungen einfrieren.   Fotos: Reeber

Die Fronten sind verhärtet, die Menschen sauer, die Diskussionen hitzig: Seit einem Jahr kämpfen die Anwohner der Wetzlarer und Rechtenbacher Straße gegen...

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Wetzlar-Münchholzhausen. Die Fronten sind verhärtet, die Menschen sauer, die Diskussionen hitzig: Seit einem Jahr kämpfen die Anwohner der Wetzlarer und Rechtenbacher Straß;e gegen Straß;enausbaubeiträge. Und es kommen immer neue Probleme dazu.

"Bei uns Anwohnern herrscht Enttäuschung pur. Wir sollen zehntausende Euro zahlen, insgesamt 1,4 Millionen Euro. Es gibt keine Antworten, keine Kommunikation von Seiten der Stadt. Dabei geht es hier um unsere Existenz – um die Straß;enbeiträge, aber auch um Schäden an unseren Häusern und deren finanzielle Folgen." Stefan Schmidt, Sprecher der Interessengemeinschaft Wetzlarer-/Rechtenbacher Straß;e und Anwohner in der Rechtenbacher Straß;e, ist fassungslos. Die umstrittene Straß;ensanierung der K 356 ist im Bereich seines Hauses – im ersten Bauabschnitt – seit den Sommerferien bereits abgeschlossen. 23 600 Euro Straß;enbeiträge stehen für ihn und seine Familie im Raum. Doch das ist noch nicht alles: "Es gibt Risse am Anbau, der Carport hat sich inzwischen vier Zentimeter vom Haus gelöst, auch an den Fensterbänken sind Risse zu sehen", erzählt seine Frau Sabine Schmidt.

Den Grund sehen die Anwohner in den Bauarbeiten: "Hier entlang der Straß;e verlief früher das Bachbett des Welschbachs", sagt Schmidt. Der Grundwasserspiegel liege in diesem Bereich vergleichsweise hoch. Als nun das Wasser für die Kanalarbeiten abgepumpt wurde, sei der Untergrund unter den Häusern abgesackt. Ein Gutachten bestätige dies. Und nicht nur am Haus der Schmidts zeigen sich zwischenzeitlich Risse und mehr: Zahlreiche Anwohner entlang der Baustelle berichten ebenfalls von Schäden, weitere werden befürchtet.

Gleichzeitig wundern sich die betroffenen Anwohner, warum es im zweiten Bauabschnitt so lange nicht weiterging. Seit Juli standen die Maschinen still, sagt Sabrina Lerbs. Ihre Familie soll mit 32 900 Euro Straß;enbeiträgen belastet werden. Eine Anfrage im Rathaus sei erst nach sechs Wochen beantwortet worden, es sei lediglich die Rede von "technischen Notwendigkeiten" gewesen, man wolle "sobald als möglich" weiterarbeiten.

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Stefan Schmidt nimmt einen anderen Grund für den 14-wöchigen Stillstand an: "Die Stadt hat im Vorfeld ihre Hausaufgaben nicht gemacht und anhand der Schäden an den Häusern im ersten Bauabschnitt gesehen, was passiert. Da im zweiten Bauabschnitt die Gefahr noch größ;er ist, musste man eine Lösung finden." Jetzt sollen Spezialmaschinen in Münchholzhausen anrücken, "die dann zu erheblichen Mehrkosten führen", befürchtet Schmidt.

Groß;e Sorgen macht sich auch Nicole Will, die mit 9400 Euro Straß;enausbaubeiträgen zur Kasse gebeten werden soll. "Es naht jetzt der Winter. In unsere Häuser sind Notwasserleitungen gelegt. Was ist, wenn Minusgrade herrschen? Dann friert doch alles ein", befürchtet Will.

Anwohner Jürgen Berghäuser kritisiert, dass 800 Meter Kanal saniert werden sollen, obwohl nach Untersuchungen doch nur 310 Meter schadhaft seien. Er vermutet einen Zusammenhang mit dem geplanten Gewerbegebiet Nord, für dessen Anschluss die Voraussetzungen geschaffen werden sollen. "Auf unsere Kosten."

Münchholzhausen im Fernsehen: Die Sendung "Jetzt mal Klartext!", die am 17. Oktober zum Thema Straß;enausbaubeiträge im Stadtteil gedreht wurde, wird am Mittwoch, 7. November, um 21 Uhr im hr-Fernsehen ausgestrahlt.

Von Pascal Reeber (Fotos) und Tanja Freudenmann (Text)