Kusel-Ermittler äußern sich zu mutmaßlichem Tatmotiv

Blumen und Kerzen zum Zeichen der Trauer am Eingang der Polizei in Kusel. Foto: dpa

Nach der Tat in Kusel, bei der zwei Polizisten erschossen wurden, haben die Ermittler neue Details genannt. Unter anderem habe ein Verdächtiger ein Teilgeständnis abgelegt.

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KUSEL. Auf einer Pressekonferenz haben die Ermittler am Dienstag weiter Angaben und Details mitgeteilt: So wirft die Staatsanwaltschaft Rheinland-Pfalz den beiden verdächtigen Männern, die zwei Polizisten nahe Kusel getötet haben sollen, gemeinschaftlichen Mord vor. Mit der Tat hätten sie ihre Wilderei verdecken wollen. Die Ermittlungsrichter gehen von einem besonders schweren Fall der Wilderei aus. "Es gibt Hinweise darauf, dass die Wilderei offenbar recht professionell und gewerblich ablief", erklärte Westpfalz-Polizeipräsident Michael Denne. Die Männer sollen demnach schon mehrfach gewilderte Tiere verkauft haben.

Die zwei Tatverdächtigen befinden sich nun in Untersuchungshaft. Diese sei angeordnet worden, weil bei beiden Beschuldigten aufgrund ihrer wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse Fluchtgefahr bestehe.

Journalisten verfolgen die Pressekonferenz von Vertretern der Polizei und Justiz in Kaiserslautern zu den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten bei Kusel.  Foto: dpa/Uwe Anspach
Journalisten verfolgen die Pressekonferenz von Vertretern der Polizei und Justiz in Kaiserslautern zu den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten bei Kusel. (© dpa/Uwe Anspach)
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Die beiden Tatverdächtigen sollen als Wilderer in die Polizeikontrolle geraten sein. Wie genau die Beamten auf die beiden aufmerksam wurden, ist unklar. In dem Laderaum ihres Kastenwagens hätten sich zahlreiche getötete Wildtiere befunden, sagte Oberstaatsanwalt Stefan Orthen.

Ein Tatverdächtiger mit Teilgeständnis

Die beiden Tatverdächtigen sollen zwei Waffen verwendet haben: eine Schrotflinte sowie eine Jagdgewehr. Die 24-jährige Polizistin soll mit einem Kopfschuss aus der Schrotflinte getötet worden sein, ihr 29-jähriger Kollege wurde vier Mal getroffen. Ein Schuss traf den Polizisten im Kopf. Dieser selbst habe 14 Mal geschossen, nach bisherigen Erkenntnissen sei aber keiner der beiden Verdächtigen getroffen worden. Die 24-Jährige fast fertig ausgebildete Polizeianwärterin sei arglos gewesen, sie habe womöglich eine Taschenlampe und die Papiere in der Hand gehalten und nicht geschossen.

Für Polizeipräsident Denne sei der Fall besonders emotional, da er eine Tochter im gleichen Alter wie die getötete Polizist zuhause habe. Angehörige eines der Opfer habe Denne bereits besuchen können: "Man hat schon Tränen in den Augen. Und wenn man dann die Mutter umarmt... Sie merken schon, es geht mir sehr nahe."

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Der Jüngere der beiden Tatverdächtigen, der 32-jährige Florian V., hat die Wilderei bereits gestanden. "Er hat aber bestritten, selbst auf die Polizisten geschossen zu haben", sagte Orthen. Aufgrund der Geschehnisse gehen die Ermittler aber davon aus, dass die beiden mutmaßlichen Tatwaffen nicht von nur einer Person bedient worden sind. Der Ältere der beiden, der 38-jährige Andreas S., hat von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Laut der Ermittler lägen keine Hinweise auf eine politisch motivierte Tat oder Verbindungen der Verdächtigen in die sogenannte Reichsbürgerszene vor. Entgegen anfänglicher Berichte hat sich der 38-jährige Hauptverdächtige nicht über seine Anwältin gestellt sondern wurde "in einem günstigen Moment" auf der Straße festgenommen, erklärten die Ermittler. Der Anwalt des jüngeren der beiden Tatverdächtigen hat sich mittlerweile gegenüber SWR und SR geäußert. Demnach habe sein Mandant zugegeben, zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein, allerdings sei er nicht an der Tötung der Polizisten beteiligt gewesen. Die Feststellung der Polizei, dass beide Verdächtigen geschossen haben müssen, wies der Anwalt zurück.

Nach jetzigem Stand der Ermittlungen steht für die Tatverdächtigen am Ende eine lebenslange Haftstrafe im Raum. Die sei zum jetzigen Zeitpunkt aber rein spekulativ, so die Ermittler.