"Mit einem Moped war man wer"

Echte Liebhaberstücke: Wilhelm Hähn sammelt seit knapp zwanzig Jahren alte Maschinen des Herstellers NSU.  Foto: Berns

Für das ungeübte Auge sieht die kleine Maschine nicht besonders spektakulär aus. Doch die NSU Quickly ist für Wilhelm Hähn eine Herzensangelegenheit.

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Waldsolms-Brandoberndorf. Für das ungeübte Auge sieht die kleine Maschine nicht besonders spektakulär aus. Doch die NSU Quickly ist für Wilhelm Hähn eine Herzensangelegenheit.

Das motorisierte Zweirad war sein erstes Fahrzeug. Mitte der 50er-Jahre war das und der damals 15-Jährige half nach der Schule im Betrieb seines Onkels mit. Der hatte einen der wenigen NSU-Vertriebe in der Gegend. "Ich habe dort immer nach Feierabend mitgeholfen. Dafür durfte ich dann die Quickly fahren. So eine Maschine hätte ich mir ja gar nicht leisten können und mit einem Moped, da war man damals schon wer", erzählt der heute 78-Jährige.

Ans Sammeln hat er damals noch nicht gedacht. Diese Leidenschaft erwachte erst viel später. Hähn machte nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Feinmechaniker in Nauborn. Später arbeitete er als technischer Angestellter in Frankfurt. In all diesen Jahren war er begeisterter Motorradfahrer. Im Schuppen neben seinem Haus in Waldsolms, dort wo er auch gerne seine Mopeds und Motorräder präsentiert, hängt noch ein Bild, das ihn und seine Frau auf schicken BMW-Maschinen zeigt.

Auf die Idee, die Zweiräder auch zu sammeln, kam er jedoch erst viel später. 1999 war das. In diesem Jahr trat Hähn in den Ruhestand ein.

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"Ich habe gedacht, jetzt musst du dir eine andere Beschäftigung suchen. Und dann kam die Erinnerung an meinen Onkel und die alten NSU-Maschinen", erzählt der Brandoberndorfer. Wenn er von dem Betrieb seines Onkels erzählt, dann schwingt Nostalgie in seiner Stimme mit. "Natürlich, das Sammeln der Maschinen, das ist auch ein Stück Jugenderinnerung und deshalb liegt es mir wahrscheinlich auch so am Herzen. Da fühlt man sich einfach wieder wie damals als Jugendlicher, wenn man an den Motorrädern arbeitet."

Seine Sammlung hat er mit eben der Maschine begonnen, die er als 15-Jähriger fuhr. Es ist nicht die Quickly, die sein Onkel ihm zur Verfügung stellte, aber ein baugleiches Modell. Das "Original" hatte sein Onkel irgendwann verkauft.

Zunächst kaufte Hähn die Maschinen und restaurierte sie aufwendig. "Da waren teilweise richtige Baustellen dabei", sagt er. Das macht er heute nicht mehr, denn für die ganze "Schrauberei" fühlt er sich mittlerweile zu alt. Deshalb hat er in den letzten Jahren nur noch fertige Maschinen gekauft.

"Ich will keine weiteren Motorräder mehr anschaffen, irgendwer muss die ja auch übernehmen"

Doch auch damit ist es nun vorbei. "Ich will keine weiteren Motorräder mehr anschaffen, irgendwer muss die ja auch übernehmen." Mittlerweile hat sich Hähn deshalb auf die Bestandswahrung verlegt. Seine zwölf Maschinen aus den 50er und 60er Jahren, die alle fahrbereit sind, pflegt er weiterhin selbst. Vier Stück sind sogar angemeldet. Mit denen fährt der Brandoberndorfer durch die Gegend. "Das Gute an den alten Motorrädern ist ja, dass man selbst etwas reparieren kann. An den neuen Maschinen können Sie oft nicht mal mehr ein Blinklicht selber wechseln." Jeden Morgen, gleich nach dem Frühstück macht Hähn sich auf zu seinen Sammlerstücken. Zwei Maschinen holt er dann aus dem Unterstand und stellt sie auf. "Das sind dann die, mit denen ich auch ausfahre", erklärt er.

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Seine Frau steht, was die Leidenschaft für die alten Motorräder angeht, ganz hinter Hähn. Früher, erzählt der 78-Jährige, sei sie auch noch mitgefahren, das wolle sie heute nicht mehr. Hähn selbst möchte seine Zweiräder noch mindestens vier bis fünf Jahre selbst steuern. So lange traue er sich das noch zu. Und so lange wird er auch noch an Ausfahrten teilnehmen. Die Fahrten mit den Oldtimern seien übrigens keine Wettrennen, betont er. "Bei Oldtimern ist der Weg das Ziel."

Obwohl das Kriterium für seine Sammlung eigentlich die Marke NSU war, besitzt Hähn auch zwei alte BMW-Maschinen. Eine hat er, entgegen seiner Vorsätze, sogar erst kürzlich erworben. Die Geschichte dazu ist eine traurige. Ein guter Freund, der eine Sammlung von über 90 BMWs hatte, verunfallte tödlich. Da die Kinder die Sammlung nicht in diesem Umfang übernehmen konnten, verkauften sie.

Hähn erhielt eine der Maschinen, die ihm schon immer besonders gut gefallen hatte. Er selbst hofft, dass sein Neffe eines Tages seine Sammlung übernehmen wird. Bis dahin pflegt er mit geschultem Auge und viel Herzblut seine motorisierten Schätze.

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