Nach langer Krankheit: Entertainer Nick Benjamin gestorben

Nick Benjamin. Archivfoto: Sören Heim.

Nick Benjamin, einer der größten Entertainer der Rhein-Main-Region, ist nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

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WIESBADEN/MAINZ. Er war Moderator, Schauspieler, Fastnachter, Sänger, Sprecher – ein wahrer Tausendsassa. Auf den Bühnen der Stadt und der Region wird er fehlen: Nick Benjamin ist nach Angaben des SWR nach langer Krankheit am Montag im Alter von 72 Jahren gestorben. Er moderierte Sendungen unter anderem in ARD und ZDF; über 20 Jahre war er auf SWR_4 aktiv.

Gespür für Themen, die Menschen umtreiben

Nick Benjamin war zweifelsohne einer der größten Entertainer der Region – und ein wahrer Sympathieträger. Das Herz am rechten Fleck, ein Gespür für die Themen, die die Menschen umtreiben – er schaffte es immer wieder, Lachen und nachdenkliche Töne zu vereinen, die Menschen zu emotionalisieren, sie zu faszinieren. Er liebte den Jazz, spielte Banjo, stieg als Moderator in den Boxring, reiste zu Olympischen Spielen, um dort fürs Fernsehen die Wettkämpfe anzumoderieren, er stand für große Krimis vor den Fernsehkameras. Seine Stimme war sein Kapital: Jeder in Deutschland dürfte sie schon einmal gehört haben – sei es beim Intro des „Aktuellen Sportstudios“ oder den großen Nachrichtensendungen.

Natürlich war er auch in der Region beliebter Moderator und Gesprächspartner für Veranstaltungen jeglicher Couleur, unter anderem für die Benefizaktion dieser Zeitung „ihnen leuchtet ein Licht“. Viele Wiesbadener und Touristen kennen ihn als die Stimme aus der „Thermine“, der kleinen Wiesbadener Stadtbahn. Nick Benjamin lebte mit seiner Familie in Heidesheim-Heidenfahrt; er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.

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Start einer dritten Karriere, mit der Stimme

Am 21. August 1946 wurde Lutz Jörg Nicolai in Lüneburg geboren, kam als Achtjähriger mit seiner Familie nach Wiesbaden. Hier machte er Mittlere Reife, arbeitete bei Banken und Versicherungen, bei Henkell und in der Hypothekenabteilung bei Raiffeisen – und jobbte Ende der 60er-Jahre nebenbei als Discjockey. Irgendwann war ihm klar, dass die Büroarbeit nichts für ihn war.

„Nick“ startete 1978 seine zweite Karriere als Wirt der legendären „Schachtel“ am Wiesbadener Römertor. Das war eines der ersten Szene-Lokale. Man saß zwischen seiner Riesensammlung alter Hutschachteln, rauchte und trank, diskutierte bis in die Nacht. Schon im „Big Apple“ war er durch launige Moderationen aufgefallen. Rudolf Leubner, der in Wiesbaden ein Tonstudio betrieb, war 1970 auf ihn aufmerksam geworden und hatte ihn für diverse Kinder-Hörspiele engagiert. 1986 Start einer dritten Karriere, mit der Stimme. In der Werbung: „Nick“ als Nesquick-Hase, im Kino: Nick als Erzähler in Disneys „Dschungelbuch“, im Radio: Nick als Moderator bei RPR. Bei Festen trat er als „Nick aus der Schachtel“ mit seiner Gitarre auf. Auch als TV-Schauspieler agierte er: in „Kurklinik Rosenau“, „Ein Fall für zwei“ oder „Tatort“. Lutz Jörg Nicolai legte sich den Künstlernamen Nick Benjamin zu – eine Hommage an den Philosophen und Kunstkritiker Walter Benjamin, den er sehr verehrte. 2001 kehrte er gemeinsam mit Christine Fuhr, einst Pressesprecherin von Ex-Oberbürgermeister Achim Exner, Wiesbaden den Rücken und wurde mit seiner Familie in Heidesheim heimisch.

Grandioses „Loblied“ auf die Schiersteiner Brücke

Die Bestürzung über seinen Tod zieht sich durch alle Sparten der Kultur und Gesellschaft: Frank Golischewski, aus dessen Feder das Musical „Feucht & Fröhlich“ stammt und der über Jahre mit ihm und weiteren Stars wie Margit Sponheimer oder Ulrike Neradt zusammengearbeitet hat, bezeichnet ihn auf Facebook als einen „wirklich tollen Bühnen-Partner, einen unglaublich begabten Kollegen und echten Freund“. Auch Ulrike Neradt verleiht ihrer Trauer Ausdruck: „Ich bin unendlich traurig. Mit Nick verliere ich einen wirklichen Freund.“

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In der Mainzer Fastnacht war er bei den Mombacher Bohnebeitel aktiv. Präsident Heinz Meller ist tief betroffen: „Er war ein super Kumpel, ein toller Mensch“, sagt er. Seit 1999 trat Nick Benjamin bei den Sitzungen auf, sorgte in der Bütt und mit seinen Liedern für umjubelte Auftritte – unter anderem mit seinem „Kreppel-Lied“ oder dem Hit über „Die Brigg“ – ein grandioses „Loblied“ auf die Schiersteiner Brücke.

Nick Benjamin liebte es, zu erzählen. Stundenlang konnte er unterhalten, stundenlang konnte man ihm zuhören. Er war eine Marke, seine Stimme sein Markenzeichen. Diese große Stimme ist nun verstummt.

Hier finden Sie unser Dossier zu den "Legenden der Fastnacht".