Stromausfall in Wiesbaden: Infraserv und Dyckerhoff besonders...

Im Dunkeln: Der Wiesbadener Hauptbahnhof. Foto: dpa

Besonders Wirtschaftsunternehmen wie Infraserv und Dyckerhoff waren die Leidtragenden des Stromausfalls in der Region am Donnerstag. An Krankenhäusern wurden OPs verschoben,...

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WIESBADEN. „Keiner der Beschäftigten bei uns kann sich an einen Stromausfall in dieser Größenordnung in den vergangenen 32 Jahren erinnern“, sagt Frank Rolle, Sprecher von Eswe Versorgung. Die rund um die Uhr besetzte Netzleitzentrale des Energieversorgers könne im Falle eines Problems im Umspannwerk direkt reagieren, erklärt Rolle. „Wie Donnerstagmorgen auch, wird dann auf andere Umspannwerke umgeschaltet, um wieder für Strom zu sorgen.“

Die Kliniken in Wiesbaden sind auf diesen Fall vorbereitet: „Es springt sofort ein Notstromaggregat ein“, erklärt Susanne Schiering-Rosch, Sprecherin des St. Josef-Hospitals. Außerdem trete in einem solchen Fall sofort ein sogenannter „Krankenhauseinsatzplan“ in Kraft, der sicherstelle, dass die Umstellung auf das Aggregat tatsächlich funktioniere. Beispielsweise werde überprüft, ob Beatmungsgeräte laufen. „Das hat bei uns reibungslos geklappt“, zeigt sich Schiering-Rosch zufrieden. Der Stromausfall habe sich im normalen Klinikgeschäft nicht bemerkbar gemacht. „Jedoch wurden geplante Operationen aus Sicherheitsgründen um eine halbe Stunde verschoben, bis die reguläre Stromversorgung wieder gewährleistet war“, berichtet sie.

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Norman Westphal, Geschäftsführer der Asklepios Paulinen Klinik, erklärt, dass alle „vitalbezogenen Geräte“, wie Beatmungsgeräte, Batterieanlagen nutzen, um die Sekunden zu überbrücken, bis die Notstromaggregate anspringen. „Operationen haben wir um zwei Stunden verschoben“, erzählt Westphal. Zwei Mitarbeiter mussten in der Klinik aus einem Fahrstuhl befreit werden.

Industrie für Stunden ohne Strom

Auf die produzierende Wirtschaft hatte der Stromausfall eine enorme Wirkung: Im Industriepark Kalle-Albert führte er zu einer Kettenreaktion. Erst sei die externe Versorgung abgebrochen, dann sei das werkseigene Kraftwerk heruntergefahren worden: „Damit hatten wir keine Stromversorgung mehr“, sagte Infraserv-Kommunikationschef Dennis Weber. Somit sei auch die Erzeugung von Prozesswärme und Kälte ausgefallen, die Chemiebetriebe mussten ihre Produktionen zurückgefahren. Arbeitsunfälle habe es glücklicherweise keine gegeben. „Aufgrund der großen benötigten Strommengen konnte Infraserv nicht über eine Noteinspeisung beliefert werden“, erklärt Frank Rolle von Eswe Versorgung. Nach viereinhalb Stunden sei wieder Strom da gewesen, daraufhin sei die Chemieproduktion wieder hochgefahren. „Nicht alle Betriebe auf einmal, sondern einer nach dem anderen“, sagte Weber. Schon im Dezember 2015 und im Oktober 2016 war der Chemiestandort von Stromausfällen betroffen. „Auf jeden Fall muss die Situation aufgearbeitet werden“, sagte Weber.

Dyckerhoff war mit Werk und Hauptverwaltung ebenfalls vom Stromausfall betroffen. „Unsere Produktionsanlagen standen erst mal still“, erzählte Dyckerhoff-Sprecherin Christina Henrich. Ähnlich erging es dem Kostheimer Essity-Papierwerk: „Die Produktion musste gestoppt werden“, sagte Unternehmenssprecherin Annette Schönleber. Bis zum Mittag sei es gelungen, die Produktion in Teilen wieder hochzufahren.

Auch Hauptbahnhof im Dunkeln

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Düster präsentierte sich am Morgen auch der Wiesbadener Hauptbahnhof den Reisenden. In den meisten Läden gab es kein Licht, die Kassen und automatische Türen funktionierten nicht. Kunden konnten nichts kaufen. „Gucken dürfen Sie“, sagte der Verkäufer eines Zeitungsladens. „Verkaufen kann ich Ihnen aber nichts.“ Er hoffe, dass der Strom möglichst bald wieder funktioniere, weil er ohne Heizung im Durchzug von zwei geöffneten Türen stehe.

Gut zu tun hatten nicht nur Polizei und Feuerwehr am Donnerstagmorgen, auch Hausmeister waren gefragt. Mathias Roth von „Roth Hausmeisterservice“ berichtet von Anrufen wegen elektrischer Garagentore, die nicht mehr funktionierten. Die Garagentore muss er nach einem Stromausfall einzeln wieder freischalten. Auch bei Sven Heinrichs von „Heinrichs Hausmeisterservice“ stand das Telefon nicht mehr still. „Ich hatte etliche Nachrichten über verpasste Anrufe auf meinem Handy – denn das lief leider auch nicht mehr“, erzählt er lachend. Die Anrufer wollten größtenteils aber nur erfahren, wie lange der Stromausfall andauern werde.