Türchen 12: Beim Adventsschwimmen ins eiskalte Nass tauchen

Adventszeit 2022

Bis zum 24. Dezember öffnen wir für unsere Leser täglich ein Türchen in unserem Adventskalender der Regionen. Die Geschichten sollen Freude bereiten und Ideen geben.

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Trebur. Minus ein Grad Lufttemperatur, vier Grad Wassertemperatur und eine hauchdünne Eisschicht auf der Oberfläche – das Adventsschwimmen 2022 am dritten Advent war nichts für Warmduscher. Und dennoch wagten sich am Sonntagmorgen mehr als ein Dutzend abgehärtete Wasserratten ins eiskalte Nass.

Mit dabei war selbstverständlich Elke Sparkuhl. Treburs „oberste Bademeisterin“, wie die umtriebige Chefin des Freibads gerne auch genannt wird, stimmte die Adventsschwimmer zunächst mit einem Gedicht ein. Die Zeilen über eine von Schnee verzuckerte Landschaft passten in diesem Jahr. In der Nacht hatte moderater Schneefall dem dritten Adventsmorgen ein weißes Kleid verliehen.

Und dann ging es an den Beckenrand. Schon beim Eintauchen des Fußes ins Wasser zeichnete sich auf nicht wenigen Gesichtern der Schrecken ab, der den Adventsschwimmern durch die Glieder fuhr. Doch ein Zurück gab es dann nicht mehr. Wenn die am Beckenrand stehenden und ob der Kälte gut eingepackten Zuschauer feixende Bemerkungen von sich gaben, ernteten sie tadelnde Blicke.

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Viele Senioren dabei

Unter den Wagemutigen befand sich Friedel Sparkuhl. Der Vater von Elke Sparkuhl war von 1975 bis 1990 im Treburer Freibad beschäftigt und braucht das Wasser noch immer wie die Luft zum Atmen. Zu den Adventsschwimmern zählten ebenfalls etliche Senioren, denen man in diesem von der Energiekrise überschatteten Winter keinesfalls raten muss, das heiße Duschen nicht zu übertreiben. „Ich habe noch im Oktober in meinem Garten kalt geduscht“, machte beispielsweise Emmy Fricker unmissverständlich klar, dass sie nichts von bekennenden Warmduschern hält.

Auf manchen Gesichtern ist deutlich zu sehen, wie kalt es im kühlen Nass war. Allen voran: Friedel Sparkuhl, der von 1975 bis 1990 im Treburer Freibad beschäftigt war.
Auf manchen Gesichtern ist deutlich zu sehen, wie kalt es im kühlen Nass war. Allen voran: Friedel Sparkuhl, der von 1975 bis 1990 im Treburer Freibad beschäftigt war. (© Ralph Keim)

Allerdings nahm jeder Adventsschwimmer und nahezu jede Adventsschwimmerin gerne den wärmenden Schnaps entgegen, der nach dem Ausstieg aus dem Becken gereicht wurde. Den Hochprozentigen gab es nur für diese Tapferen, den ebenfalls von innen wärmenden Glühwein selbstverständlich für alle. Der gesellige Ausklang war verbunden mit der Vorfreude auf die Mitte des Monats Mai, wenn in Trebur die Freibadsaison 2023 eröffnet wird. Das Adventsschwimmen markierte auch das Ende eines Jubiläumsjahres: Denn vor 50 Jahren, also 1972 wurde das Treburer Freibad seiner Bestimmung übergeben.

Am Abend vor dem Adventsschwimmen war der Schwimmbad-Förderverein Gastgeber des lebendigen Adventskalenders. Ein gutes Dutzend Besucher ließ es sich im Freien, wo noch drei Monate zuvor die Müßiggänger in der Spätsommersonne brutzelten, bei ebenfalls heißen Getränken gut gehen. „Aber leider bekamen wir das Adventslicht nicht ausgehändigt“, bedauerte Anette Legenmayer vom Förderverein, der somit am Sonntagabend die Laterne auch nicht an den nächsten Gastgeber, den Verein Naturfreunde Trebur, weitergeben konnte. In Trebur endet der lebendige Adventskalender am 23. Dezember, wenn um 18 Uhr der Förderverein St. Alban vor dem Alten Rathaus der Kerngemeinde das letzte „Fensterchen“ öffnet.