Wenn der Tierpfleger seine Runde macht

Nach dem Ausmisten des Stalles versorgt Jörg Schmidt die Tarpanpferde mit Trockenfutter, Heu und ein paar Apfelschnitzen.   Foto: Stahl

WEILBURG Zu jeder Jahreszeit spazieren Menschen durch den Weilburger Tiergarten und beobachten die circa 20 verschiedenen Tierarten. Das TAGEBLATT hat Tierpfleger Jörg Schmidt...

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. WEILBURG Zu jeder Jahreszeit spazieren Menschen durch den Weilburger Tiergarten und beobachten die circa 20 verschiedenen Tierarten. Das TAGEBLATT hat Tierpfleger Jörg Schmidt bei der Arbeit begleitet und herausgefunden, was bei Bär, Elch und Auerochse passiert.

"Um 7 Uhr morgens beginnt in der Regel mein Tag im Tiergarten", erzählt Schmidt. Zuerst werde das Futter für die Tiere vorbereitet. "Einer von uns fährt zu einem Supermarkt und holt Obst und Gemüse", berichtet Schmidt. Eimer werden mit Trockenfutter gefüllt und nachdem alles auf einen Pick-Up geladen wurde, beginnt die große Fütterungsrunde durch den Tiergarten.

Den Anfang machen die beiden Bären, Tim und Steve. "Sie werden erst in die Anlage gelassen, damit wir das Gehege saubermachen können", erklärt der Tierpfleger. Die Gehege müssen täglich saubergemacht werden, da gerade im Sommer durch platt getretenes Obst und Gemüse Wespen angelockt werden. Die Bären fressen hauptsächlich Obst und Gemüse. Nur etwa zweimal pro Woche bekommen sie Fleisch. "Wir füttern immer so, dass etwas übrig bleibt", sagt Schmidt. "Sie werden hier nicht knapp gehalten." Besonders gerne mögen Steve und Tim süßes Obst, wie Birnen und Pflaumen, aber auch Paprika und Nüsse sind bei ihnen gerne gesehen. Äpfel dagegen fressen sie nur, wenn der Hunger besonders groß ist.

"Wölfe können auf Vorrat fressen, ein Reh reicht für vier Wölfe dicke vier Tage lang"

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Nachdem die Bären versorgt sind, geht es weiter zu den Ottern. Sie stehen schon freudig auf den Hinterbeinen, als sie Schmidt kommen sehen. "Die beiden Otter füttern wir mit Fisch", erzählt dieser. Im Winter gebe es Tiefgefrorenes, aber im Sommer bekommen sie auch mal frischen Fisch aus dem Teich nebenan. "Otter fressen alles vom Fisch mit und wenn man sie beobachtet, sieht man auch, dass es eigentlich Raubtiere sind", sagt der Tierpfleger. Laut Schmidt frisst ein Otter täglich zehn Prozent seines eigenen Körpergewichts. Deshalb werden die Otter zweimal pro Tag gefüttert. "Wenn ich jetzt in das Gehege gehen würde, würde Otilie kommen, sich an mein Bein krallen und gestreichelt werden wollen", sagt Schmidt lachend. Er habe die Otterdame mit der Hand aufgezogen. Deswegen sei sie besonders zutraulich.

Besonders viel Futter brauchen auch die Elche. "Dieses Tier, das so groß ist wie ein Pferd, ernährt sich wie ein Reh", erklärt Schmidt. Neben einem speziellen Trockenfutter bekommen die Elche im Tiergarten sogenanntes "Proßholz". Von diesen Hölzern fressen sie die kleinen Äste, die Rinde und Blätter. "Im Sommer fressen die Elche gerne Wasserpflanzen aus dem Teich", erzählt Schmidt. Elche könnten ihre Nüstern verschließen und so mit dem Kopf unter Wasser gehen.

Auch eine der Elchdamen hat Schmidt mit der Hand groß gezogen, weshalb sie sich von ihm streicheln lässt. "Eigentlich sind Elche aber keine Streicheltiere", meint der Tierpfleger. Im Mai wird die momentan hochschwangere Elchdame Nachwuchs bekommen. "Ein Kalb wiegt um die elf oder zwölf Kilogramm", erklärt Schmidt und fügt an: "Zwillinge sind bei Elchen der Normalfall."

Nachdem die Schafe mit Trockenfutter und Heu und die Luchse mit Fleisch versorgt wurden, fahren die Tierpfleger zum Wolfsgehege. Dort ist allerdings nicht viel zu tun, denn am Tag zuvor gab es ein ganzes Reh. "Wölfe können auf Vorrat fressen, ein Reh reicht für vier Wölfe dicke vier Tage lang", erklärt Schmidt. Gemistet werden müsse bei den Wölfen auch nicht, allerdings müssten ab und zu die Knochen vom gefütterten Fleisch aufgesammelt werden.

Nach kurzen Aufenthalten bei den Wisenten und Tarpanpferden, die mit Heu und Trockenfutter versorgt werden, dauert es bei den Auerochsen etwas länger. Schmidt schaut sich dort ein Kalb an, das ein paar Tage zuvor erst geboren wurde. Wildtiere zeigen oft nicht, wenn sie krank sind, da sie dann in freier Wildbahn leichtere Beute wären. "Deshalb ist es besonders wichtig, dass wir unsere Tiere beobachten", erklärt Schmidt, der seit 1993 im Tiergarten arbeitet. Zuvor hat er eine Ausbildung zum Forstwirt gemacht und anschließend den Beruf des Zootierpflegers in Frankfurt gelernt.

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"Mich hat dieser Beruf schon immer interessiert", erzählt Schmidt. Er beobachte Tiere sehr gerne und mit den Führungen, Schulen- und Kindergartenbesuchen sei es sehr abwechslungsreich. Die Vorstellung, dass ein Tierpfleger den ganzen Tag nur Tiere streichelt, sei falsch: "Das ist schon viel Arbeit, es muss ja 365 Tage im Jahr jemand da sein."

Es bleibe nicht aus, dass auch am Wochenende und an den Feiertagen gearbeitet werden muss. "Das ist aber nicht tragisch, es gibt eigentlich nichts, was ich hier nicht gerne mache", meint er. Nur wenn es den ganzen Tag in Strömen regne, sei es nicht so schön. Besonders am Herzen liegt Schmidt die Otterdame: "Otilie macht mir besonders viel Freude, die macht einfach Spaß", sagt er.

Neben der Arbeit mit den Tieren gibt es auch noch andere Dinge zu tun. "Wir müssen uns auch um die Mäharbeiten kümmern oder zum Beispiel Bäume schneiden", erzählt Schmidt. Nachdem alle Tiere versorgt sind, hilft Schmidt den anderen Tierpflegern, die dabei sind, einen Zaun zu reparieren. "Es gibt hier wirklich immer etwas zu tun", meint der Tierpfleger.