„Wir brauchen Mut zum Erinnern“

Oliver Parplies (47) hatte die Idee zur Gedenktafel für Charles Werabe.  Foto: K. Kaminsky

Zur Erinnerung an den in Limburg von Rechtsradikalen getöteten Charles Werabe aus Ruanda ist eine Gedenktafel enthüllt worden.

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Limburg. Zur Erinnerung an den in Limburg von Rechtsradikalen getöteten Charles Werabe aus Ruanda ist eine Gedenktafel enthüllt worden.

In einem Klima, in dem Flüchtlinge als Sündenböcke abgestempelt werden und verniedlichend von "abhitlern" beim Zeigen des Hitlergruß;es gesprochen wird, sei es wichtig, Menschlichkeit zu zeigen, betont Oliver Parplies vom Bündnis Courage.

Er ist der Ideengeber für die am Dienstagabend eingeweihte Gedenktafel im Pflaster vor der städtischen Notunterkunft in der Limburger Brückengasse 2. Hier wurde vor genau vier Jahren der dunkelhäutige Charles Werabe gemeinschaftlich von drei betrunkenen Rechtsradikalen totgeschlagen und später anonym bestattet.

Charles Werabe war Flüchtling. Seine Heimat, das Bürgerkriegsland Ruanda, verließ; er als 13-Jähriger, um in Deutschland eine neue Heimat zu suchen. "Das ist ihm offenbar nicht gelungen, denn am Ende seines Lebens findet er sich in einer kommunalen Notunterkunft wieder", sagt Harry Fenzl von der Caritas-Wohnungslosenhilfe.

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Dort traf der damals 55-Jährige auf seine Mörder: Männer, deren Geist und Haltung vergiften waren von menschenverachtenden Ideologien und von Hass auf alle, die anders sind.

"So bitter es auch ist: Der gewaltsame Tod von Charles Werabe, die Morde der NSU, die programmatischen Ausschreitungen vor Flüchtlingsunterkünften oder Hass und Hetze im Netz – all das hat leider nicht dazu geführt, rechtsextreme Positionen in unserer Gesellschaft zu entlarven und zu isolieren", bedauert Fenzl. Stattdessen erstarke die AfD und auch Teile der politischen Mitte seien bereits nach rechts gerückt.

Bürgermeister: "So etwas wollen wir in unserer Stadt und in unserem Land nicht haben"

704 politische motivierte Angriffe auf Asylsuchende habe die Bundesregierung im ersten Halbjahr 2018 registriert. Dabei seien 120 Menschen verletzt worden. Es gab 627 Angriffe auf Flüchtlinge und 77 Attacken auf Asylunterkünfte, zitierte Fenzl aus Statistiken.

Doch hielt er auch ermutigende Fakten dagegen und erinnerte an 250 000 Demonstranten, die erst vor wenigen Tagen in Berlin gegen Rassismus und Hass auf die Straß;e gegangen sind. Im Landkreis Limburg-Weilburg gäbe nach wie vor viele Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe, gegen Armut oder gegen Rechts engagieren. "Wir brauchen Mut zum Widerspruch, wenn jemand Hass, Ausgrenzung und Verachtung predigt."

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Die Stadt Limburg habe direkt nach dem Tod von Charles Werabe damit begonnen, die Situation der städtischen Obdachlosenunterkünfte zu verändern. Seither ist die Zahl der Notunterkünfte gestiegen, es wurden Standards eingeführt und in die soziale Betreuung investiert.

Bürgermeister Marius Hahn erinnerte daran, dass Limburg schon immer eine Handelsstadt gewesen sei, in der Fremde eine neue Heimat gefunden haben. Heute leben Menschen aus hundert Nationen in der Domstadt, und das sei auch gut so.

"Gewalttaten aus politischen Gründen, begangen von Tätern mit rechter Gesinnung – so etwas wollen wir in unserer Stadt und in unserem Land nicht haben", betont der Rathauschef. Der Gedenkstein solle den brutalen Mord an Charles Werabe nicht vergessen lassen und als dessen Testament verstanden werden. "Denn wir alle bestimmen selbst das Klima, die Kultur und die Rahmenbedingungen in unserer Stadt", hob der Bürgermeister hervor.

Mit einem Gebet weihte Pfarrer Herbert Leuninger den Gedenkstein ein. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung, zu der sich eine groß;e Menschenmenge in der Brückengasse eingefunden hatte, von Veronika Todorova mit ihrem Akkordeon und Harry Fenzl mit Gitarre und Gesang.