Faktencheck: Clips im Netz zeigen keine Lieferung an Ukraine

Leopard-2-Kampfpanzer

Gerade erst ist die Entscheidung der Bundesregierung für die Lieferung von Kampfpanzern in die Ukraine gefallen. Videos im Netz sollen sie bereits auf dem Weg zeigen. Doch...

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Berlin/Senftenberg/Guben (dpa) - . Kaum hat die Bundesregierung die Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine angekündigt, tauchen in den sozialen Netzwerken Videos auf, die den Transport von Panzern zeigen. Tenor: Hier, schaut - die Lieferung für Kiew ist quasi schon unterwegs. Was es mit den Clips tatsächlich auf sich hat.

Behauptung: Es stehen in Deutschland bereits Züge mit Panzern zum Abtransport in die Ukraine bereit.

Bewertung: Falsch.

Fakten: Ein mit Panzern beladener Zug hält an einem schneebedeckten Gleis. Das Video soll an einem Bahnhof der brandenburgischen Stadt Senftenberg entstanden sein. Im Vergleich der Aufnahmen mit Bildern von Online-Kartendiensten zeigt sich, dass es sich in der Aufnahme tatsächlich um den Bahnhof im Ortsteil Hosena handelt. Auch die Wetterbedingungen passen zur aktuellen Situation dort: Zwischen dem 18. und 23. Januar hat es dort mehrfach geschneit. Das spricht dafür, dass die Aufnahme des Panzer-Transports wirklich aktuell ist.

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Ein Bundeswehr-Sprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, dass im Video deutsche Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 zu sehen sind. Diese werden von der Bundeswehr in verschiedenen Varianten genutzt. Derzeit werden Leopard-2-Panzer durch Brandenburg transportiert. Allerdings geht es dabei nicht um eine Lieferung für die Ukraine. Das Video zeige eine Verlegung im Rahmen der enhanced Forward Presence in Litauen, so der Bundeswehr-Sprecher. Dort finde derzeit ein Kontingentwechsel statt. „Aus diesem Grund werden in den nächsten Tagen noch weitere Transporte in der Region zu sehen sein.“

Nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) könnten die ersten Leopard-Panzer aus Bundeswehrbeständen in etwa drei Monaten in der Ukraine sein.

In einem anderen Video geht es um US-Schützenpanzer. Es soll ebenfalls in Brandenburg gefilmt worden sein - in der Gemeinde Guben an der polnischen Grenze. Das Europakommando der US-Army bestätigte der „Lausitzer Rundschau“ entsprechende Transporte durch Deutschland und Polen. Der Zeitung zufolge handelt es sich um eine Panzerbrigade, die vom US-Militär selbst genutzt wird und im Rahmen der Operation Atlantic Resolve (OAR) regelmäßig rotiert. Die OAR des US-Militärs wurde 2014 zur Unterstützung der baltischen und osteuropäischen Nato-Partner ins Leben gerufen.

Der Transport von militärischer Ausrüstung per Zug ist nach Angaben des Bundeswehr-Sprechers ein Routinevorgang. Für Übungen werden etwa gepanzerte Fahrzeuge mit der Bahn zu den jeweiligen Übungsplätzen vorausgeschickt. Die Truppen reisen dann hinterher und entladen die Fahrzeuge. Im Netz kursieren entsprechend immer wieder Aufnahmen, die den Transport von militärischer Ausrüstung zeigen.