EC Bad Nauheim: Defensiv pfui, offensiv hui

Auch Leon Köhler trifft beim 8:7-Sieg seines EC Bad Nauheim. Archivfoto: Chuc

Die Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim und Dresdner Eislöwen liefern sich einen Shoot-out: 14 Treffer in der regulären Spielzeit.

Anzeige

BAD NAUHEIM. Wären Zuschauer zugelassen gewesen, sie hätten am Donnerstagabend im Colonel-Knight-Stadion höllischen Spaß gehabt am Treiben des EC Bad Nauheim und der Dresdner Eislöwen beim Punktspiel in der Deutschen Eishockey-Liga 2.

14 (!) Treffer in der regulären Spielzeit, eine Overtime als Zugabe und dann auch noch ein Penaltyschießen, das die Roten Teufel für sich entschieden und damit nach dem 8:7 (3:1, 1:3, 3:3, 1:0) noch den Zusatzpunkt ergattern konnten.

"Wenn man auswärts sieben Tore schießt und nicht gewinnt, dann stimmt etwas nicht", haderte Dresdens Coach Andreas Brockmann vor allem mit seiner Defensive, wobei er aufgrund seiner Enttäuschung Probleme hatte, das zuvor Erlebte überhaupt richtig in Worte fassen zu können. Das ging EC-Headcoach Harry Lange nicht anders. "Defensiv war das der Wahnsinn. So viele leichte Fehler habe ich als Trainer noch nie erlebt und ich hoffe, dass es noch sehr lange dauern, bis so etwas wieder passiert", meinte Lange nach der Partie.

Die begann eigentlich wie immer. Nach gut vier Minuten ging Dresden durch Jordan Knackstedt in Führung, die Antwort der Bad Nauheimer folgte allerdings auf dem Fuß, denn 62 Sekunden später zappelte die Scheibe nach einem Schuss von Frederik Cabana im Dresdner Tornetz. Glück dann für den EC, dass die Gäste in Unterzahl gleich zwei hochprozentige Möglichkeiten nicht nutzen konnten und Bad Nauheim zum Drittelende hin innerhalb von elf (!) Sekunden zweimal erfolgreich war. James Arniel bei Überzahl und Leon Köhler sorgten für eine 3:1-Pausenführung.

Anzeige

Für Trainer Harry Lange ("Nach dem ersten Abschnitt wähnte ich mich schon auf dem Weg zum Dreier") wurden die Sorgenfalten im Mitteldrittel zunächst immer größer. In Anbetracht des Rückstands forcierten die Elbstädter ihre Aktivitäten auf dem Eis, kamen durch Jordan Knackstedt zum Anschlusstreffer und dann war es Roope Ranta, der eine Überzahlsituation zum 3:3-Gleichstand verwertete.

Kaum wieder komplett, schlug der EC 53 Sekunden später durch Cason Hohmann eiskalt zurück. Doch auch dieser Torjubel war noch nicht richtig verarbeitet, da waren die Gäste erneut zur Stelle. Diesmal traf Dennis Swinnen nach 44 Sekunden zum 4:4, mit dem dann die Seiten gewechselt wurden.

In den letzten 20 Spielminuten ging es hin und her, wobei sich auf beiden Seiten die Fehler häuften, was letztlich zu dem Torfestival führte. James Arniel sorgte aus Bad Nauheimer für einen guten Auftakt, ehe Dresden beim 6:5 und 7:6 jeweils vorn lag und Frederik Cabana gut vier Minuten vor dem Ende mit seinem 7:7 die Verlängerung erzwang. Die verlief dann kurioserweise einmal ohne Tore, so dass James Arniel mit dem zweiten verwandelten Penalty die Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber herbeiführte.

Bad Nauheim - Dresden (8:7 n. P. (3:1, 1:3, 3:3, 1:0) - Torfolge: 0:1 (5.) Knackstedt, 1:1 (6.) Cabana, 2:1 (19.) Arniel, 3:1 (19.) Köhler, 3:2 (30.) Knackstedt, 3:3 (32.) Ranta, 4:3 (33.) Hohmann, 4:4 (34.) Swinnen, 5:4 (43.) Arniel, 5:5 (45.) Ritter, 5:6 (48.) Huard, 6:5 (50.) Cabana, 6:7 (51.) Ritter, 7:7 (56.) Cabana, 8:7 (65.) Arniel - Strafminuten: Bad Nauheim 4, Dresden 8.

Heute in Landshut

Anzeige

Schon am heutigen Samstag geht die Terminhetze in der Deutschen Eishockey-Liga 2 ohne Pause weiter, wobei diesmal der 44. Spieltag auf dem Programm steht. Für Bad Nauheim heißt es zu reisen, denn die Schützlinge von Trainer Harry Lange sind um 19.30 Uhr beim bayrischen Traditionsverein EV Landshut zu Gast.

Das Verarbeiten und Analysieren des denkwürdigen 8:7 gegen Dresden können die Roten Teufel damit praktisch auf der langen Busreise nach Niederbayern machen, auch wenn die Folgerungen aus dem Dresden-Spiel eigentlich auf der Hand liegen. "Wir müssen die Anzahl der Fehler reduzieren und in der Defensive wieder wesentlich stabiler stehen", heißt die Forderung des Bad Nauheimer Coachs an sein Team.

Lange will aber auch das Positive aus dem Dresden-Spiel mitnehmen. "Wir haben wieder bewiesen, dass wir Moral haben und nach Rückständen zurückkommen können", sagt der Österreicher vor dem Spiel in Landshut, das für beide Teams bei einem Sieg noch einmal die geringe Möglichkeit eröffnen könnte, in den Kampf um die begehrten Playoff-Plätze einzugreifen.