Adi Hütter: „Nehmen Favoritenrolle gegen 1860 München an“

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter. Archivfoto: dpa

Im DFB-Pokalspiel bei 1860 München spielt Eintracht Frankfurt vor leeren Rängen. Das soll sich im ersten Bundesliga-Heimspiel ändern. Und auch im Kader kann sich noch etwas tun.

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FRANKFURT. Ohne Zuschauer spielt die Frankfurter Eintracht im Pokal am Samstag (15.30 Uhr) beim TSV 1860 München. Das könnte ein Vorteil sein, denn mit Fans gilt das alt-ehrwürdige Stadion der „Sechziger“ an der Grünwalder Straße als Hexenkessel. Eine Woche später, beim Start in die Bundesliga zu Hause gegen Arminia Bielefeld, hofft die Eintracht, dass die eigene Arena wenigstens zu Teilen gefüllt sein könnte.

Der Klub hat beim Frankfurter Gesundheitsamt einen Antrag gestellt, auf Grundlage eines Hygiene-Konzepts, das Abstandsregeln in allen relevanten Bereichen außerhalb und innerhalb der Arena umfasst, mehr als 10.000 Zuschauer zuzulassen. Darüber hatte zunächst die „Bild“ berichtet. Am Freitag will die Eintracht in einer Pressekonferenz über Details informieren. Trainer Adi Hütter hofft, „dass dieses Band (des Zuschauerausschlusses) mal durchschnitten wird“ und führt als gutes Beispiel das Testspiel vor zwei Wochen in Amsterdam an. Da waren 6000 Zuschauer in der Arena. „Und es war ein richtig tolles Gefühl für alle Beteiligten“, sagte er.

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Vorm Spiel in München muss er seine Mannschaft „nur“ auf den Gegner, nicht aber auf eine heißblütige Kulisse vorbereiten. „Wir müssen und wir werden die Favoritenrolle annehmen“, sagt er, „wir wollen unbedingt eine Runde weiterkommen.“ Längst sind auch viele Bundesligaklubs, darunter auch die Eintracht, froh um jede Summe, die der DFB pro Pokalrunde auszahlt. Das beginnt bei knapp 200.000 Euro für die erste Runde und steigert sich bis zum Halbfinale bis zu knapp drei Millionen Euro. Da lohnt es sich, gut vorbereitet ins Spiel zu gehen.

Die Frankfurter haben die „Löwen“ genau beobachtet und waren durchaus beeindruckt. Die Münchner Mannschaft sei „sehr kämpferisch“ und „sehr groß“, im Sinne von Körpergröße, sagt der Trainer. Und sie habe in Sascha Mölders, in Frankfurt seit seiner Zeit beim FSV gut bekannt, einen sehr gefährlichen Angreifer „mit viel Robustheit“. Mölders wird ein Fall für Martin Hinteregger werden, der ihm in Körperkraft und Robustheit sicher nicht nachsteht.

Grundsätzlich komme es auf die Einstellung der gesamten Mannschaft an. „Wenn wir das Spiel von 1860 nicht annehmen, kann es unangenehm werden“, sagt Hütter, „wenn wir es tun, bin ich überzeugt, dass wir erfolgreich sein werden.“ Ein Sieg beim Drittligisten ist in jedem Fall Pflicht. „Die Eintracht ist ja eine wirkliche Pokalmannschaft“, sagt ihr Trainer.

Bei Transfers bleibt nur die Karte „Geduld“

Über die Aufstellung wollte der österreichische Fußball-Lehrer („Ich habe sie im Kopf“) noch nicht viel verraten. Klar ist, dass Neuzugang Steven Zuber für den im Pokal gesperrten Filip Kostic spielen wird. „Auf allen anderen Positionen habe ich eine Doppelbesetzung“, sagt Hütter. Noch ist der Kader also breit aufgestellt. Bis zum Ende der sommerlichen Transferperiode am 5.Oktober wird es aber noch einige Änderungen geben. Kurzfristig werden die Frankfurter Nachwuchsspieler Nils Stendera an Lok Leipzig abgeben. Simon Falette möchte unbedingt zurück zu Fenerbahce Istanbul und seiner Familie, die vorläufig in Istanbul geblieben ist. Dem französischen Abwehrspieler liegt auch ein Angebot von Zweitligist Hannover 96 vor.

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Andere Personalien werden seit Wochen diskutiert, sind aber über Gerüchte und erste Annäherungsgespräche auf Beraterebene nicht hinausgekommen. Die Gründe sind vielschichtig: Kevin Trapp steht eigentlich nicht zum Verkauf, genauso wenig wie Martin Hinteregger. Beide wollen auch unbedingt bleiben. Filip Kostic, Evan Ndicka und Goncalo Paciencia würde der Klub gehen lassen, doch für alle drei gibt es keine wirklich werthaltigen Angebote. Frederik Rönnow will unbedingt gehen, hat aber auch noch keinen Interessenten präsentiert, weder für einen festen Transfer noch für ein Leihgeschäft. Und das Interesse des FC Brügge an Bas Dost ist, zumindest vorübergehend, wieder erkaltet.

Und so bleibt Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner nur die Karte „Geduld“. Denn liquide Mittel, um selbst Ablösesummen zahlen zu können, stehen der Eintracht schlicht nicht zur Verfügung. Und solange die 24 Millionen Euro, die West Ham United den Frankfurtern aus dem Transfer von Sébastien Haller schuldet, noch nicht auf dem Konto sind, wird sich das auch nicht ändern. Der Weltfußball-Verband FIFA hat West Ham inzwischen deutlich gemacht, dass die Summe überwiesen werden muss. Getan hat sich aber noch nichts.

Von Peppi Schmitt