Die Eintracht und ein neuer alter Weg: Leihen und verleihen

aus Eintracht Frankfurt

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Welche Chancen hat Ayman Barkok (li.) nun im Kader von Eintracht Frankfurt? Archivfoto: dpa

33 Spieler stehen aktuell bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag, aus sportlicher wie wirtschaftlicher Sicht viel zu viele. Wie beeinflusst dies die Personalpolitik?

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FRANKFURT. „Der Markt wird mit Spielern überschwemmt werden“, hat Fredi Bobic gesagt. Bis diese Entwicklung einsetzen wird, wahrscheinlich erst nach dem Ende der Saison in den großen europäischen Ligen in Spanien, Italien und England, die noch bis Ende Juli spielen, sei Geduld gefragt. Und danach Kreativität. „Es wird viele Leihgeschäfte geben“, glaubt der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht. Was daran liegt, dass die meisten Vereine nach der Corona-Krise sparen müssen und Geld für hohe Ablösezahlungen schlicht nicht in der Kasse sein wird.

Auch die Eintracht wird kleinere Brötchen backen müssen in diesem Sommer. „Es liegt an uns, Transferüberschüsse zu schaffen“, sagt Bobic. Die Eintracht will eins, zwei Schritte zurückgehen bei ihrer Personalpolitik und sich in den deutschen und europäischen „Leihhäusern“ bedienen. Das muss gar nicht so schlecht sein, denn die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass sie sich am Main damit ganz gut auskennen.

Vallejo, Rebic, Jovic und Co.

Als Bobic im Sommer 2016 sein Amt angetreten hat, musste er vor allem auf diesem Weg die Mannschaft verstärken. Das ist ihm im ersten Jahr eindrucksvoll gelungen gelungen. Es sei nur an die Spanier Jesus Vallejo und Omar Mascarell erinnert, die in Deutschland eher unbekannt waren, bevor sie bei der Eintracht durchstarteten. Auch ein Ante Rebic war auf Leihbasis aus Florenz gekommen, ein Jahr später ein gewisser Luka Jovic von Benfica Lissabon. Freilich gibt es auch andere Beispiele. Shanji Tarashaj, vom FC Everton ausgeliehen, wurde zum Flop, Allan Souza vom FC Liverpool ebenfalls. Spieler ausleihen vermindert das finanzielle Risiko, birgt aber durchaus sportliche Risiken.

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Die besondere Schwierigkeit in dieser besonderen Transferperiode, die ja bis zum 5. Oktober ausgedehnt wird: Die Eintracht muss zunächst einmal entscheiden, wie sie mit jenen Spielern umgeht, die den umgekehrten Weg eingeschlagen haben, also von der Eintracht an andere Klubs ausgeliehen waren und nun zurückkehren. Das ist ein halbes Dutzend und nicht alle haben wirklich die Perspektive, in Zukunft einen der bewährten Kaderplätze zu besetzen.

33 Spieler stehen aktuell unter Vertrag, aus sportlicher wie wirtschaftlicher Sicht viel zu viele. Trainer Adi Hütter will mit rund 25 Spielern in die Saison gehen und da soll ja auch noch der eine oder andere Neue hinzukommen. Da ist für einige schlicht kein Platz mehr. Die Rückkehrer aber will er sich genau anschauen. Im letzten Jahr hat der genaue Blick zu einem Glückstreffer geführt. Daichi Kamada, nach Belgien ausgeliehen und schon wieder als Kandidat für einen Transfer vorgesehen, startete plötzlich durch. „Es war vom ersten Tag an zu sehen, dass er sich entwickelt hatte“, sagte Hütter im Rückblick. Kamada ist inzwischen Stammspieler.

Viel Konkurrenz im Kader

Nun kehren mit Jetro Willems nach schwerer Verletzung aus England (Newcastle), Tuta (Kortrijk) und Dejan Joveljic (Anderlecht) aus Belgien, Simon Falette aus der Türkei (Fenerbahce), Rodrigo Zalazar aus Polen (Kielce) und Aymen Barkok aus der Bundesliga (Düsseldorf) ein halbes Dutzend Spieler zurück. Alle sollen sie eine Chance bekommen in der kurzen Vorbereitung, aber nicht alle werden eine wirkliche Chance haben. Unabhängig von der eigenen Leistungsfähigkeit gibt alleine schon die Konkurrenz im aktuellen Kader den Weg vor.

In der Abwehr gilt der Brasilianer Tuta (20) als Mann der Zukunft, soll auf absehbare Zeit Kapitän David Abraham (33) ersetzen, der im Winter oder nächsten Sommer in seine Heimat Argentinien zurückkehren wird. Willems (26) hat in der Premiere-League seine Klasse schon unter Beweis gestellt, kommt aber aus einer schweren Verletzung (Kreuzbandriss). Zudem glaubt der Trainer nicht, dass seine Spielweise zur Eintracht passt. Falette (28) ist gegangen, weil er zu wenige Spielanteile hatte. Er wird auch nach der Rückkehr aus der Türkei ziemlich sicher nicht mehr bekommen.

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Im Mittelfeld könnte Barkok (22) mit seinen technischen Fähigkeiten bei alle den rustikalen Kämpfern zu einer Alternative werden. Zudem würde das Eigengewächs der Eintracht bei der Erfüllung der „local-player“-Quote weiterhelfen. Zalazar (20) ist ein völlig unbeschriebenes Blatt. Niemand kann so genau sagen, mit welchem Hintergrund diese Verpflichtung getätigt wurde. Zudem ist der Spanier mit uruguayischen Wurzeln in Polen eher negativ als positiv aufgefallen.

Im Sturm muss sich Joveljic (20) hinter Bas Dost, Goncalo Paciencia, André Silva und Neuzugang Ragnar Ache anstellen. Die Chancen auf Spielzeiten sind da sehr gering, wie Falette, Willems und Zalazar soll er wohl wieder ausgeliehen werden.

Von Peppi Schmitt