Eintracht Frankfurt: Die Champions-League im Blick

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Für die Frankfurter Eintracht läuft es derzeit gut, der Blick geht in Richtung Europa. Foto: dpa

Beim 5:2 gegen Union Berlin hat die Frankfurter Eintracht ihre Muskeln spielen lassen, auch wenn es noch Fehler zu analysieren gilt. Bobic und Hütter waren aber sehr zufrieden.

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FRANKFURT. Eintracht Frankfurt ist Europa ganz nahe. Nach dem 5:2 (4:1)- Erfolg gegen Union Berlin beträgt der Vorsprung auf Platz sieben acht Spieltage vor Schluss schon neun Punkte. Die Europa-League (EL) ist in Sicht. Und auch die Ausgangsposition im Kampf um einen Champions-League-Platz ist an diesem Spieltag noch einmal besser geworden. Vier Punkte liegen die Frankfurter vor Borussia Dortmund, dem nächsten Gegner am Ostersamstag.

Effizient, abgeklärt, berauschend

„Es war ein Spiel für Europa“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Jeder Sieg ist Gold wert, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen“, sagte Torhüter Kevin Trapp, „der Punkt aus Leipzig ist nach diesem Sieg noch einmal besonders wertvoll.“ Dabei hatte die ersatzgeschwächte Eintracht als Team nicht ihre allerbeste Leistung gezeigt, aber von der individuellen Klasse vieler profitiert. Die Frankfurter haben einmal mehr gespielt wie eine Spitzenmannschaft, effizient, abgeklärt, in der ersten Halbzeit teilweise berauschend. „Fünf Tore gegen die drittbeste Abwehr der Liga, davon hätte ich vorher nicht mal geträumt“, sagte Trainer Adi Hütter.

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Auf die „Ballermänner“ ist bei der Eintracht Verlass. Was die Angreifer Luka Jovic, Daichi Kamada, vor allem aber Filip Kostic und André Silva gezeigt hatten, hätte in einem vollen Stadion für Begeisterungsstürme gesorgt. Das war Kombinationsfußball aus der Feinkostabteilung und es waren Angriffe wie aus dem Lehrbuch, so beim 1:0, beim 3:1 und 4:1. Silva erzielte seine Saisontore 20 und 21, hat damit Alex Meier überholt (Bestwert in einer Saison 19 Tore) und die Verfolgung von Bernd Hölzenbein (26) aufgenommen.

Kostic traf zum vierten Mal und bereitete zum zwölften Mal vor. Dies sind Topwerte in der Liga, in der Historie der Eintracht sowieso. Kamada war diesmal am vierten Treffer mit einer direkten Vorlage beteiligt. Gemeinsam hat dieses Trio schon 60 Scorerpunkte, also Torbeteiligungen gesammelt. Und Jovic, eigentlich selbst Torjäger, hatte ebenfalls bei zwei Treffern die Füße mit im Spiel und auch ohne eigenes Tor ein gutes Spiel gezeigt. Das Feuerwerk der ersten Halbzeit war in jeder Beziehung beeindruckend. Trainer Hütter sah „Wohlfühlmomente“ für seine Stürmer. „Das tut den Jungs gut“, sagte er, „deshalb stehen wir dort, wo wir stehen.“ Das Fehlen von Nationalspieler Amin Younes fiel in der Offensive diesmal gar nicht auf.

Ritt auf der Rasierklinge

Mehr Probleme bereitete der Ausfall von Abwehrchef Martin Hinteregger. Hinten schwamm die Eintracht gegen starke und mutige Berliner und hätte mehr als zwei Gegentore bekommen können. Es war ein Ritt auf der Rasierklinge, den die Frankfurter ohne größere Schäden erfolgreich bestanden hatten. Dabei gab es auch in der defensiven Abteilung herausragende Spieler. Torwart Kevin Trapp hat eines seiner besten Spiele überhaupt gezeigt und gleich dreimal im Duell „Aug‘ in Aug‘“ gegen die Berliner gerettet. „Kevin hat ein tolles Spiel gemacht und uns die drei Punkte festgemacht“, lobte der Trainer.

Und da war ja noch Trapps bester Helfer Djibril Sow, der zweimal den Ball von der eigenen Linie gekratzt hatte. „Da war ich fast als zweiter Torhüter unterwegs“, lachte Sow. Damit nicht genug, er war auch als Initiator guter Angriffe mit dabei. Der Schweizer Nationalspieler wird immer wertvoller, gewinnt seit Wochen enorm an Bedeutung fürs Team. „Djibril hat heute wieder gezeigt, warum wir ihn geholt haben“, lobte Hütter, „er ist ein super Mittelfeldspieler mit viel Spielwitz.“ Zudem ist Sow mit 12,8 Kilometern wieder am meisten von allen Spielern auf dem Platz gelaufen. „Wenn wir gut drauf sind und ins Rollen kommen, sind wir schwer zu schlagen“, ordnete er das Spiel ein.

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"Es war sicher nicht alles Gold, was geglänzt hat"

Dass in der Nachspielzeit drei kurz zuvor eingewechselte Spieler noch das fünfte Tor beisteuerten, passte in Bild eines ausgesprochen angenehmen Nachmittags für die Eintracht. Ajdin Hrustic hatte den Ball erkämpft, Steven Zuber hatte vorgelegt und Timothy Chandler abgeschlossen. Die Freude danach war ausgelassen und machte sichtbar wie gut das Klima in der Frankfurter Mannschaft ist. „Es freut mich unheimlich, dass Timmy am Ende noch das 5:2 macht“, sagte Fredi Bobic. Chandler hatte zuletzt kaum noch eine Rolle gespielt.

Bei aller überschwänglichen Freude hatten sie bei der Eintracht auch die schweren Momente des Spiels nicht aus den Augen verloren. „Das ist ein Spiel, in dem man viel analysieren muss“, sagte Hütter, „es war sicher nicht alles Gold, was geglänzt hat.“ Er liebe „offensiven und attraktiven Fußball“, sagte er, „aber nur, wenn wir dabei wenig zulassen.“ Diesmal habe man dem Gegner zu viele Chancen erlaubt. Zum Glück für die Eintracht hatte nur Max Kruse für Union getroffen.

Von Peppi Schmitt