Eintrachts Silva: Größte Gefahr droht aus Leipzig

aus Eintracht Frankfurt

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Ob André Silva auch in der kommenden Saison noch im Trikot der Eintracht jubelt, ist derzeit offen. Auch Vizemeister RB Leipzig steigt vermutlich im Poker um den Mittelstürmer ein. Foto: dpa

Vizemeister Leipzig ist auf der Suche nach einem Mittelstürmer auf Frankfurts Silva gestoßen. Für Sportvorstand Markus Krösche wäre das aus mehreren Gründen ein besonderer Deal.

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FRANKFURT/MAIN. Für Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker ist das Aus am Samstagabend gekommen, Österreich hatte sich Italien geschlagen geben müssen. Für André Silva war am Sonntagabend Schluss. Titelverteidiger Portugal unterlag bei der Europameisterschaft Belgien. Am Tag nach dem Ausscheiden hat für die Profis der Frankfurter Eintracht der Urlaub begonnen. Rund zwei Wochen sind vorgesehen, wie der neue Sportvorstand Markus Krösche sagt, erst dann geht es zurück in den Alltag in Frankfurt. Diese Regelung gilt auch für die Schweizer Steven Zuber und Djibril Sow, für dem Dänen Frederik Rönnow und für den Deutschen Kevin Trapp. Es kann also Mitte Juli werden bevor der neue Frankfurter Trainer Oliver Glasner sein Aufgebot wenigstens halbwegs zusammen hat.

Poker um Silva wird an Fahrt zunehmen

Ob der beste Frankfurter Torschütze der letzten Saison aber überhaupt zurückkehren wird, ist zumindest fraglich. André Miguel Valente da Silva, so sein vollständiger Name, hat zwar bei der EM nur eine eher kleine Rolle gespielt, war in zwei Vorrundenspielen nur für wenige Minuten im Einsatz und konnte gegen Belgien in den letzten 20 Minuten auch nicht mehr helfen, aber die 28 erzielten Treffer aus der letzten Bundesligasaison, nur übertroffen vom Weltfußballer Robert Lewandowski (41), machen ihn zu einer der heißesten Aktien auf dem internationalen Transfermarkt. Das Ziel der Eintracht ist klar: Wenn irgendwie möglich würde sie Silva gerne behalten, genauso übrigens wie Filip Kostic, der ebenfalls begehrt ist.

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Der Poker um Silva hat noch nicht richtig eingesetzt, aber die eine oder andere Karte wurde in den letzten Tagen wohl schon ausgespielt. Der Trumpf der Eintracht ist, dass der 25 Jahre alte Mittelstürmer nicht nur gut, sondern vor allem auch teuer ist. „Transfermarkt.de“ schätzt seinen Marktwert auf 45 Millionen Euro. Selbst wenn das in Corona-Zeiten zu hoch gegriffen sein könnte, wird die Eintracht ziemlich sicher mindestens eine 40 Millionen-Euro-Forderung an alle jene stellen, die ihnen Silva abspenstig machen wollen. Und bei dieser Summe kommen nicht mehr wirklich viele Klubs in Frage.

International wurden zuletzt immer wieder die drei großen Spanier Real Madrid, Atletico Madrid und FC Barcelona gerüchtet, dazu die Engländer Arsenal London und die Manchester-Klubs City und United. Nicht alle haben allerdings wirklich Bedarf auf der Mittelstürmerposition. Bei Real spielt der Franzose Karim Benzema, bei Atletico der Uruguayer Luis Suarez und Barca hat gerade den Argentinier Sergio Agüero geholt. In England drängeln sich alle, um Harry Kane von Tottenham zu holen. Und selbst für diese großen Klubs gilt: Sie müssen in Corona-Zeiten aufs Geld schauen.

Vermeintliches Interesse aus Leipzig

Die größte Gefahr droht der Eintracht darum wohl ganz offensichtlich an der sportlichen Heimatfront. Nach Informationen dieser Zeitung denkt Vizemeister Leipzig darüber nach, sich um Silva zu bemühen. Bedarf besteht bei den Sachsen, denn trotz einer guten letzten Saison hatten sie keinen einzigen Spieler, der zweistellig getroffen hat. Der ursprüngliche Plan mit Patson Daka vom Schwesterklub RB Salzburg hat sich für einen Wechsel zu Leicester City entschieden. Bleiben als echte Alternativen aus der Bundesliga der Österreicher Sascha Kalajdzic vom VfB Stuttgart und eben Silva.

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Kommt aus Leipzig ein realistisches Angebot, wäre dies speziell für Markus Krösche eine große Herausforderung. Quasi als erste Amtshandlung den besten Stürmer an den ehemaligen Klub zu verkaufen, würde ihm sicher keine Freude bereiten. Aber verhindern könnte Krösche das nicht, denn Spielertransfers sind pure Marktwirtschaft. Er könnte nur versuchen, Silva mit sportlichen Argumenten zum Bleiben zu bewegen oder so viel Geld herauszuholen wie möglich. Auch das wird schon schwierig genug, denn Silva wird von einem der aus Sicht der Spieler besten, aus Sicht der Klubs gefürchtesten Berater vertreten. Der Portugiese Jorge Mendes und seine Agentur GestiFute haben im Grunde sogar ein großes Eigeninteresse daran, Silva zu transferieren. Angeblich geht ein Viertel der Ablöse an die Agentur. So steht es wohl im Vertrag, den die Eintracht vor zwei Jahren abgeschlossen hat, als Silva für lediglich drei Millionen Euro vom AC Mailand gekommen war. Bei einer Ablöse von 40 Millionen Euro wären das immerhin zehn Millionen für Mendes und seine Mitarbeiter.

Von Peppi Schmitt