Rönnow geht, Schalkes Schubert kommt

aus Eintracht Frankfurt

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Frederik Rönnow (links). wird sich auf Leihbasis für ein Jahr Bundesliga-Konkurrent Schalke 04 anschließen.  Foto: dpa

Torwarttausch bei Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt. Während sich Ersatzkeeper Frederik Rönnow Schalke 04 anschließt, kommt im Gegenzug Markus Schubert von den...

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FRANKFURT. Mit dem FC Schalke 04 scheint Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic besonders gerne Geschäfte zu machen. Das war beim Wechsel von Bastian Oczipka (2017 für eine Ablöse von 4,5 Millionen Euro) zu den „Königsblauen“ schon so und in diesem Corona-Sommer wird die Geschäftsbeziehung noch einmal so richtig aufgefrischt. Vor zwei Wochen haben die Frankfurter den Stürmer Goncalo Paciencia nach Schalke abgegeben. Der portugiesische Nationalspieler wird der Eintracht rund elf Millionen Euro an Ablöse bringen, zunächst eine Leihgebühr von 1,5 Millionen Euro, bei Nichtabstieg der Schalker noch einmal 9,5 Millionen Euro als verpflichtende Ablösesumme. Da ist es nur konsequent, dass die Eintracht den Schalkern im Abstiegskampf nun auch mit einem Torwart unter die Arme greift. So wird Frederik Rönnow (28) auf Leihbasis für ein Jahr von Frankfurt nach Gelsenkirchen wechseln.

Im Gegenzug kommt Markus Schubert (22) von Schalke zur Eintracht. Rönnow hat am Dienstag schon nicht mehr am Training in Frankfurt teilgenommen und war für die abschließenden Gespräche und den vorgeschriebenen medizinischen Test auf Schalke freigestellt. Alle Parteien sind sich über die Modalitäten der Wechsel einig. "Aus sportlicher Sicht gäbe es für uns keinen Grund, Freddy abzugeben, weil er als Torwart und Typ im Verein ein hohes Ansehen genießt. Auf der anderen Seite möchten wir ihm die Gelegenheit nicht verwehren, regelmäßig in der Bundesliga sein Können unter Beweis zu stellen, wofür Freddy auf Schalke aktuell die größeren Chancen sieht – nicht zuletzt, um sich für die Europameisterschaft im kommenden Jahr zu empfehlen", kommentierte Sportvorstand Fredi Bobic den Wechsel. „Mit Markus Schubert konnten wir einen entwicklungsfähigen deutschen Juniorennationaltorhüter für uns gewinnen, der in der Vergangenheit bereits Bundesliganiveau nachgewiesen hat. Markus erhält in Frankfurt alle Möglichkeiten, unter Jan Zimmermann und an der Seite von Kevin Trapp weiter zu reifen", so Bobic weiter.

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Es ist ein Tauschgeschäft, das Sinn macht. Vor allem für die Eintracht und Rönnow. Der dänische Nationalspieler will endlich die „Nummer eins“ in der Bundesliga werden und weiß, dass er es in Frankfurt so schnell nicht werden kann. Am deutschen Nationalspieler Kevin Trapp kommt er bei aller Klasse nicht vorbei. Auf Schalke tritt Rönnow in Konkurrenz zu Ralf Fährmann (32), der vor Jahren (2009 – 2011) übrigens auch schon für die Eintracht gespielt hat. Fährmanns Standing beim FC Schalke ist nicht besonders hoch, er war schon in der letzten Saison nach Norwich (England) und Bergen (Norwegen) ausgeliehen und ist auch nach seiner Rückkehr nicht unumstritten. Rönnow wird also eine gute Chance auf den Stammplatz zwischen den Pfosten haben. Sein größtes Risiko: Nach der Entlassung von David Wagner steht der neue Schalker Trainer noch nicht fest. Und niemand weiß, welche Vorstellungen der haben wird. Für die Eintracht ist die Ausleihe von Rönnow, der noch einen Vertrag bis 2022 in Frankfurt hat, in jedem Fall gewinnbringend, sportlich wie wirtschaftlich. Setzt sich der Däne auf Schalke durch, steigert er automatisch seinen Wert, könnte also in einem Jahr teuer verkauft werden.

Auch ein weiterer Torhüter-Transfer ist möglich

Allerdings: Kurzfristig ist die Eintracht geschwächt, denn Markus Schubert hat sicher nicht die Klasse von Rönnow. Der ehemalige U 21-Nationaltorwart konnte sich weder in der letzten Saison gegen Alexander Nübel noch in dieser gegen Fährmann behaupten. Als zweiter Mann hinter Trapp muss er nun lernen und sich entwickeln. Durchaus möglich, dass die Frankfurter neben Schubert noch einen weiteren Torwart holen. Die aktuelle Nummer drei, Felix Wiedwald, hat keinerlei Perspektive bei Trainer Adi Hütter. Dass Wiedwald am Dienstag beim Training wie Rönnow fehlte, hatte freilich nichts mit einem bevorstehenden Wechsel zu tun, sondern hatte private Gründe. Neben Kevin Trapp ist Jugend-Torhüter Elias Bördner vorübergehend die „Nummer zwei“.

Neben den beiden Torhütern hatten noch die verletzten Evan Ndicka, der nach seiner Sydesmosebandverletzung schon wieder auf dem Fahrrad saß, und Filip Kostic (Innenbandteilanriss) gefehlt. Alle anderen Profis waren vor dem Spitzenspiel am Samstag gegen Tabellenführer TSG Hoffenheim an Bord. Darunter auch Jetro Willems, der sich vor acht Monaten im Trikot von Newcastle United einen komplizierten Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen hatte. „Es ist großartig wieder auf dem Platz zu sein“, sagte der Holländer, „natürlich will ich schnell wieder spielen, aber nach dieser Verletzung muss man Schritt für Schritt vorgehen und vorsichtig sein.“

Einen Zeitrahmen für sein Comeback hat sich der 26 Jahre alte Verteidiger nicht gesetzt. Er wolle nicht den zweiten vor dem ersten Schritt, hat er sich vorgenommen, „wichtig ist nicht das nächste Spiel, sondern das nächste Training zu überleben.“ Die Rückkehr in den Spielbetrieb wird er nun in Frankfurt angehen. Ohne die schwere Verletzung hätte Newcastle ihn nach einer Ausleihe sicher verpflichtet, beide Seiten waren sehr zufrieden. Aktuell aber stehe er nicht in Kontakt mit den Engländern. Über seine sportliche Zukunft könne und wolle er erst reden, wenn er denn wirklich wieder fit ist. Das Knie, mit der er schon vor dem schweren Unfall im Spiel gegen den FC Chelsea am 19.Januar immer schon mal Probleme gehabt hatte, sei wieder völlig hergestellt. „Alles ist repariert“, sagt er, „vorher habe ich mit achtzig Prozent bei diesem Knie gespielt, jetzt sind es wieder hundert Prozent.“ Er habe sich sehr verändert seit seiner Zeit in Frankfurt (2017-2019). Willems: „Ich sehe den Fußball jetzt anders. Ich bin nicht mehr der Spieler von vor zwei Jahren. Die Mentalität ist viel besser, ich bin stärker geworden. Früher habe ich vielleicht mal zurückgezogen. In England habe ich gelernt über den Punkt hinauszugehen. Das hat mich weitergebracht.“ Der Vertrag von Jetro Willems bei der Eintracht läuft noch bis zum 30.Juni 2021.

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Von Peppi Schmidt