Santos Borré: Erst gegen Messi, dann zur Eintracht

aus Eintracht Frankfurt

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Ein künftiger Frankfurter gegen einen künftigen Ex-Frankfurter: Auf diesem Foto aus dem Jahr 2015 duellieren sich die damaligen Jugendnationalspieler Santos Borré (rechts, Kolumbien) und André Silva (links, Portugal). Archivfoto: dpa

Noch ist der Stürmer bei der Copa America für Kolumbien im Einsatz. Ab Mittwoch soll er sich der Eintracht widmen. Hinteregger erschreckt derweil in einem Interview die Fans.

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FRANKFURT. In der Nacht zum Sonntag hat Rafael Santos Borré (25) mit Kolumbien durch ein 4:2 nach Elfmeterschießen gegen Uruguay das Halbfinale der Copa America erreicht. Der Stürmer hat 87 Minuten gespielt. Seit Samstag ist klar, dass der 1,74 kleine Angreifer in Zukunft für die Frankfurter Eintracht stürmen wird. Borré und die Eintracht haben sich auf einen Vierjahresvertrag geeinigt und auch mit seinem argentinischen Klub River Plate Buenos Aires haben die Frankfurter eine Übereinkunft erzielt. Unterschrieben waren die Verträge freilich auch am Sonntag noch nicht.

Borrés Vertrag ist ausgelaufen ist, er ist ablösefrei. Dem Vernehmen nach aber sollen die Frankfurter 2,5 Millionen Euro an den argentinischen Spitzenklub überweisen, dies hat Borré mit River Plate so ausgemacht. Seine Rolle in Frankfurt ist vorgezeichnet. „Ein bisschen mehr Tempo“ wollten Trainer Oliver Glasner und Sportvorstand Markus Krösche der Frankfurter Offensive noch hinzufügen, dafür gilt der Kolumbianer als Idealbesetzung. Er wird also nicht der Ersatz für den nach Leipzig abgewanderten André Silva sein, sondern eine Ergänzung für dessen zukünftigen Nachfolger. Der könnte Randal Kolo Muani heißen, für den die Eintracht ein Angebot beim FC Nantes hinterlegt hat. Eine Einigung steht noch aus, es wird um die Ablöse gepokert. Interesse hat die Eintracht auch am norwegischen Linksaußen Jens Petter Hauge (21) vom AC Mailand angemeldet.

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Borrés Wechsel geht auf Mangas Kappe

Der bevorstehende Wechsel von Borré trägt die Handschrift von Ben Manga. Der jahrelange Chefscout, vor ein paar Wochen zum Direktor Profifußball und Kadermanager befördert, hat damit mal wieder eine Personalie eingebracht, die nur wenige wirklich auf dem Schirm hatten. Zwar hat Borré schon in Europa gespielt, zwischen 2016 und 2017, ausgeliehen von Atletico Madrid an den FC Villareal, aber damals noch mit bescheidenem Erfolg. Für zwei Tore in siebzehn Spiele hatte es nur gereicht, der blutjunge Borré wurde von den Spaniern gewogen und (noch) für zu leicht befunden. Über den Umweg Argentinien (Letzte Saison: 13 Spiele, acht Tore) kehrt er nun nach Europa zurück.

Die Eintracht verlässt sich da ganz auf das gute Auge von Ben Manga. Der letzte große Coup des 47 Jahre alten Scouts war der Brasilianer Tuta, den er in der Jugend des FC Sao Paulo entdeckt hat, und der sich inzwischen als Nachfolger von David Abraham zur Stammkraft hochgearbeitet hat. Auf das Konto von Manga gehen viele erfolgreiche Transfers in den letzten fünf Jahren, darunter neben Sebastian Haller auch Goncalo Paciencia, Dejan Joveljic oder jüngst das spanische Juwel Fabio Blanco. Freilich: Auch Manga trifft nicht immer ins Schwarze. So war der ecuadorianische Abwehrspieler Andersson Ordonez 2017/2018 ein Flop, fand sich in Frankfurt überhaupt nicht zurecht und kam in seinem einjährigen Engagement nur zu drei Einsätzen. Er spielt längst wieder in seiner Heimat bei LDU Quito. Ganz ähnlich war es dem Portugiesen Francisco „Chico“ Geraldes ergangen, der im Januar 2019 nach nur einem halben Jahr ohne einen einzigen Einsatz zurück in seine Heimat geflüchtet ist und inzwischen für den FC Rio Ave spielt.

Hinteregger über möglichen Wechsel

Ben Manga weiß um die Unwägbarkeiten von Transfers mit Spielern aus anderen Ligen und Kulturkreisen, nicht immer ist da alleine das sportliche Talent ausschlaggebend für die Fortsetzungen einer Karriere. „Manchmal geht ein Elfmeter auch daneben“, hat Manga mal gesagt. Bei Borré hofft er auf einen Volltreffer. Der zukünftige Frankfurter steht erstmal vor einem Karrierehöhepunkt. Am Mittwoch spielt er in Brasilia gegen Argentinien und Lionel Messi um den Einzug ins Finale der Copa America. Nach einem entsprechenden Urlaub kann er sich dann auf die Eintracht konzentrieren.

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Das wird aller Voraussicht nach auch Martin Hinteregger tun, der die Fans in seiner Frankfurter Wahlheimat in einem Interview mit krone.at erschreckt hat. Nach eigener Aussage liegen seinem Berater Angebote aus Italien vor und die Serie A sei auch sein „großer Traum“. Dennoch ist ein Wechsel unwahrscheinlich. „Es müsste aber viel passieren, dass ich Frankfurt verlasse“, sagte Publikumsliebling Hinteregger in dem Gespräch, „ich bin dem Klub extrem dankbar, dort habe ich zu alter Stärke gefunden.“

Von Peppi Schmitt