Lilien-Stürmer Manu: „Ich war ein kleiner Rabauke”

aus SV Darmstadt 98

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Geht auch mal unkonventionelle Wege: Braydon Manu (links) im Duell mit Lucas Brumme (SV Wehen Wiesbaden).

Braydon Manu spricht im Exklusiv-Interview über seine fußballerische Sozialisation auf Bolzplätzen, seine veränderte Einstellung und das aktuelle Gefühl beim SV Darmstadt 98.

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Herr Manu, Sie spielen in dieser Saison im Sturmzentrum. Hat Sie das eigentlich überrascht?

Nein, nicht wirklich. Weil der Trainer etwas von mir verlangt hat, was ich ganz gut kann: in die Tiefe laufen mit meiner Unbekümmertheit und der Art, mit der ich spiele. Ich bin ein anderer Spielertyp als andere Stürmer. Für die Verteidiger ist das auch etwas anderes. Es hat gut gepasst und gefruchtet.

Ihr Spiel hat ja manchmal durchaus etwas Anarchistisches.

Ich versuche schon, umzusetzen, was der Trainer mir mitgibt. Aber am Ende des Tages ist man selbst auf dem Platz und muss Entscheidungen für sich selbst treffen. Das sind Momente, in den man schnell entscheiden muss. Und da höre ich meistens einfach auf meinen Instinkt.

Die FAZ schrieb zuletzt einmal über Sie: Der Nebendarsteller, der für gelegentlichen Szenenapplaus sorgte, ist in eine Hauptrolle hineingewachsen. Können Sie damit leben?

Meinen die echt mich damit (lacht)? Ich versuche einfach, alles zu geben. Ich kann meine Leistung nur abrufen, wenn auch die Mannschaft da ist. Sonst klappt das nicht. Ich bin als Stürmer abhängig von allen anderen – vom Torwart bis hin zum Stürmer.

Es ist nicht lange her, da war für Sie nach 60, 70 Minuten Schluss. Das hat sich geändert.

Mittlerweile kann ich ohne Probleme 90 Minuten durchspielen. Das war am Anfang nicht so, als ich es noch nicht so gewohnt war, von Beginn an zu spielen. Stück für Stück hat sich das dann gesteigert.

Sie lachen immer viel. Sind Sie generell ein positiver Typ?

Ich versuche grundsätzlich, eine positive Grundeinstellung zu haben, und zwar unabhängig vom Fußball. Das bin ich: Ich will mir keinen Stress machen, einfach schauen, was passiert und keine zu hohen Erwartungen, die dann nur für Druck sorgen, an mich selbst stellen. Ich will immer das Bestmögliche geben – und schauen, was passiert.

Was ist Ihnen denn außer Fußball wichtig im Leben? Sie waren im Rahmen der Nationalmannschaft in Ghana…

Das hat mich noch einmal geprägt. Das hat meine Lebenseinstellung durchaus noch einmal ein bisschen verändert.

Inwiefern?

Ich will mehr abgeben. Gerade wir Fußballer können uns doch nicht beklagen. Jeder von uns sollte ein bisschen mehr auf andere achten, die nicht so viel haben wie wir. Und wenn es nur eine Kleinigkeit ist.

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Wie kann so etwas aussehen?

Es geht nicht darum, Geld zu verschenken. Aber Klamotten etwa muss man nicht wegwerfen, man kann sie woanders hinschicken, sodass andere Menschen profitieren.

Sie schauen offensichtlich auch mal über den Tellerrand heraus.

Auf jeden Fall. Meine Familie spielt da eine große Rolle. Ich wurde so erzogen, dass wir nicht alleine auf der Welt sind. Da hat uns geprägt. Ich finde es schön, etwas zu geben und zum Beispiel nicht alleine Erfolge zu feiern, sondern mit anderen zusammen.

„Guck mal, Gänsehaut!“ Braydon Manu (rechts) im spanischen Oliva im Austausch mit Ex-Lilie Johannes Wurtz, der mittlerweile Kapitän beim SV Wehen Wiesbaden ist.
„Guck mal, Gänsehaut!“ Braydon Manu (rechts) im spanischen Oliva im Austausch mit Ex-Lilie Johannes Wurtz, der mittlerweile Kapitän beim SV Wehen Wiesbaden ist. (© rscp/Frank Heinen)

Aufgewachsen sind Sie in Hamburg. Hat man beim Hamburger SV und beim FC St. Pauli Ihr Talent nicht erkannt?

Wenn ich alles reflektiere und zurückblicke: Vom Typ her war ich bei meinen damaligen Stationen nicht der Einfachste, ich war schon ein kleiner Rabauke. Ich war wild unterwegs, habe ein bisschen gemacht, was ich wollte, was rückwirkend manchmal jedoch unpassend war. Aber ich habe daraus gelernt und würde sagen, dass ich gereift bin.

Hatte es sportlich damals nicht gereicht?

Ich bin beim HSV und bei St. Pauli rausgeflogen, ich bin richtig auf die Fresse gefallen. Fußball war für mich alles. Aber ich musste meine Sichtweise mehr auf das große Ganze richten. Ich habe eingesehen: So kann es nicht weitergehen, wenn ich mit dem Fußball wirklich etwas erreichen will. Wenn ich das will, muss ich meine Grundeinstellung ändern. Und genau das habe ich dann damals getan. 

Sie gingen 2015 nach Braunschweig, dort trafen Sie erstmals auf Torsten Lieberknecht. Jetzt ist er wieder Ihr Trainer. Ein komischer Zufall, oder?

Das ist wirklich kurios, dass ich jetzt wieder auf ihn getroffen bin. Ich war damals bei der U19, er hatte mich ab und zu mal hochgeholt zu den Profis. Ich habe dort manchmal mittrainiert und auch mal Testspiele bestreiten dürfen. Das waren meine ersten Begegnungen mit ihm.

Wusste er in Darmstadt noch, wer Sie sind?

Natürlich (lacht). Für mich war das ein gutes Zeichen, als ich von meiner Leihe beim Halleschen FC zurückkam. Ich hatte es unter Dimitrios Grammozis und auch unter Markus Anfang nicht leicht. Es war eine Chance, die ich gesehen habe.

Eine Chance welcher Art?

Ich dachte, dass ich es doch in Darmstadt schaffen kann. Teilweise hatte ich diese Hoffnung verloren, ich wollte eigentlich schon gehen. Als Torsten Lieberknecht kam, wollte ich es aber noch einmal versuchen und es auch packen.

Was aber etwas dauerte.

Ich wusste, dass ich nicht an erster Stelle stehe, nur weil den Trainer kenne. Ich wusste aber ganz genau, dass ich eine faire Chance bekomme. Die hat er mir gegeben. Und ich denke, ich konnte sie überwiegend nutzen.

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Im Sommer 2019 waren Sie schwer verletzt, danach lief es nicht rund. Im Januar 2021 ging es zur Leihe nach Halle. Wissen Sie, was Ex-Lilie Terrence Boyd, der damals auch in Halle war, mal zu mir gesagt hat, als wir über Sie gesprochen haben?

Nein.

Er sagte: Was habt Ihr denn mit Braydon gemacht? Der kann ja gar nichts mehr!

Es lief nicht so rund nach meiner Verletzung. Und wenn man als Zweitligaspieler eine Liga runter geht, ist das nicht so leicht. Ich wollte damals in erster Linie wieder Spaß haben. Da hatte ich dann in der Tat auch meine erste Begegnung mit Terrence – er ist eine coole Socke, ein echter Typ (lacht).

Sie haben sich in Halle dann wieder richtig wohlgefühlt?

Ja, es war eine gute Zeit. Ich kannte noch einige Spieler und auch einige Leute außerhalb des Fußballs, weil ich ja bereits in Halle gespielt hatte. Es war einfach schön, wieder gewollt zu sein. Da kamen auch Spielfreude und Spielwitz zurück.

Wovon heute der SV Darmstadt 98 profitiert.

Ja, das war hier auch so, als Torsten Lieberknecht kam. Ich wusste, dass er mich und meine Art, Fußball zu spielen, kennt. So konnte ich befreit aufspielen. Ich wusste um meine Rolle, wusste, dass ich mich erst einmal hinten anstellen muss. Und dass ich dann wieder Schritt für Schritt nach vorne kommen kann.

Was macht Ihr teils unorthodoxes Spiel aus?

Das lernt man auf der Straße, das ist Bolzplatzfußball. Das lernt man von klein auf, wenn man mit den Jungs auf dem Spielplatz spielt, wo das eine Tor eine Rutsche und das andere eine Schaukel ist. Das ist vermutlich eine andere Art Fußball als die, die man in einem Nachwuchsleistungszentrum beigebracht bekommt.

Wie sieht das aus?

Es gibt kein Schema F, keine klaren Regeln. Es geht querbeet. Man sieht Sachen, die ein anderer vielleicht nicht sieht – und umgekehrt. Es ist nicht automatisch ein Vorteil, den Fußball auf der Straße zu erlernen, es ist einfach eine andere Art.

Kumpels (von links): Patric Pfeiffer, Frank Ronstadt und Braydon Manu vor einem Testspiel im spanischen Oliva.
Kumpels (von links): Patric Pfeiffer, Frank Ronstadt und Braydon Manu vor einem Testspiel im spanischen Oliva. (© rscp/Frank Heinen)

Was haben Sie sich vorgenommen für die Rückrunde?

Ich will eine bessere Halbserie spielen als in der Hinrunde. Ich werde Gas geben, Spaß haben und hoffen, dass wir alle verletzungsfrei bleiben. Das ist ungemein wichtig, das haben wir in den letzten Spielen vor der Winterpause gesehen, als es nicht so war.

Und wie ist es momentan für Sie in Darmstadt? Fühlt sich jetzt alles richtig an?

Ich fühle mich wohl, ich kann mich nicht beklagen. Das war auch schon mal anders, deshalb weiß ich das jetzt noch mehr zu schätzen.