Drittes Testspiel, erste Niederlage für die Lilien

aus SV Darmstadt 98

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Gesichter des Spiels: Ex-Lilie und Torschütze Johannes Wurtz (links) und Lilien-Torwart Carl Klaus, der diesmal Stürmer war. Foto: Florian Ulrich

Der SV Darmstadt 98 vergibt beim 1:2 bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden vor allem nach der Pause etliche Chancen. Ersatztorwart Carl Klaus gibt für fünf Minuten den Stürmer.

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WIESBADEN. Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 hat sein drittes Testspiel in der Vorbereitung verloren: Bei Drittligist SV Wehen Wiesbaden unterlag die Mannschaft von Trainer Markus Anfang am Samstagnachmittag mit 1:2 (1:1). Für die Lilien traf Felix Platte, für Wiesbaden der frühere Darmstädter Johannes Wurtz. Zudem traf Lilien-Verteidiger Patric Pfeiffer ins eigene Netz.

Hoher Einsatz

"Es wäre fatal, wenn wir nur das Ergebnis sehen würden", sagte Lilien-Trainer Markus Anfang, der trotz der Niederlage nicht unzufrieden wirkte. "Wir hatten in der ersten Halbzeit viele gute Aktionen nach vorne, es hat aber ein bisschen die Ruhe gefehlt, es war ein bisschen hektisch." Das aber sei völlig normal, zumal man erstmals bei einem Gegner auf höherem Niveau getestet habe. "Insgesamt war es okay, wie die Jungs es gemacht haben."

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Die Lilien begannen stürmisch. Tobias Kempe hatte nach drei Minuten Pech, dass sich Tobias Schwede in seinen Schuss aus fünf Metern Torentfernung warf. Dann hätte es fast auf der anderen Seite geklingelt: Marc Lais verfehlte aus kurzer Distanz nur um Zentimeter das im ersten Durchgang von Marcel Schuhen gehütete Darmstädter Tor (12.). Und dann ging der Zweitligist in Führung: Felix Platte, von Braydon Manu in Szene gesetzt, traf zur Lilien-Führung (15.).

Dass es um etwas ging für die Spieler beider Mannschaften, bewies Wiesbadens Peterson Chato, der nach 21 Minuten Marvin Mehlem derart gegen den Fuß trat, dass er die Gelbe Karte sah - der Einsatz auf beiden Seiten war hoch. So hoch, das Aaron Seydel nach 26 Minuten vom Platz musste - er hatte sich bei einem Foul an ihm verletzt und musste durch Ensar Arslan ersetzt werden. Die Gastgeber kamen zum Ausgleich, auch, weil die Lilien in dieser Phase nicht allzu zielstrebig wirkten. Schuhen parierte noch einen Kopfball von Maurice Malone, den Abpraller verwertete dann aber Johannes Wurtz (32.). Ausgerechnet Wurtz, der in Darmstadt keine Chance mehr gehabt hatte und der erst in dieser Woche in die Landeshauptstadt gewechselt war. Den letzten gefährlichen Schuss im ersten Durchgang gab Kempe ab, doch Torwart Matthias Hamrol parierte sicher (41.).

Zweite Halbzeit mit anderer Mannschaft

Anfang schickte in der zweiten Halbzeit eine komplett veränderte Mannschaft aufs Feld - nur Victor Palsson spielte zunächst weiter. Neu war auch Torwart Florian Stritzel, der direkt gegen Gianluca Korte rettete - eine starke Aktion (47.). Dann vergaben die Darmstädter Chance um Chance. Mathias Honsak zog mit einem Solo in Richtung Tor: Hamrol war schon geschlagen, doch Michel Niemeyer kratzte seinen Schuss von der Linie (49.). Zwei Minuten später hatte der Österreicher erneut kein Glück: Von Erich Berko geschickt, stand er frei vorm Tor - und traf den Pfosten (51.). Schüsse von Serdar Dursun (53.) und Berko (54.) wurden geblockt - es ging minutenlang hoch her im Wiesbadener Strafraum. Der Treffer fiel allerdings auf der anderen Seite: Lilien-Verteidiger Patric Pfeiffer fälschte eine Flanke ins eigene Tor ab - 1:2 aus Sicht des SV 98 (61.).

"Die Gegentore waren ärgerlich", kommentierte Anfang. "Wir haben sie ja quasi selbst geschossen. Was mich aber mehr ärgert, ist, dass wir viermal allein auf den Torwart zugehen, uns dann aber nicht belohnen. Das ist dann halt so im Fußball, dann bekommt man so einen unglücklichen Gegentreffer."

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Die Partie beruhigte sich, die Gastgeber gewannen langsam die Kontrolle zurück. Stefan Aigner stand plötzlich völlig frei vor Stritzel, der rettete erneut (70.). Dann musste Dursun, der von Jakov Medic zu Fall gebracht worden war, mit einer Platzwunde behandelt werden - die Lilien spielten minutenlang mit nur zehn Spielern. Auswechseln konnten sie nicht mehr, wie Anfang dem verdutzten Schiedsrichter Christoffer Reimund mitteilte: "Wir haben niemanden mehr." Doch dann besann er sich und fand doch noch einen - er beorderte Ersatztorwart Carl Klaus in die vorderste Reihe. "Wir wollten alle gleich belasten", erläuterte Anfang, der zudem erklärte, dass er Arslan nicht mehr habe einwechseln dürfen - das war abgesprochen. Und so kam Klaus zu seinem Debüt im Sturm. "Er war nicht schuld, er hat seine Sache gut gemacht", sagte der Lilien-Trainer lachend. "Aber er steht schon lieber im Tor."

Bei Aaron Seydel sieht es laut Anfang "nicht so gut aus", bei Dursun dürfte die Platzwunde keine Spuren hinterlassen. Und so zeigte sich der Trainer letztlich trotz der Niederlage zuversichtlich - überfordern will er nämlich niemanden. "Wir wollen den Jungs nicht zu viel Belastung geben, sonst geht uns der eine oder andere irgendwann muskulär am Stock." Auch deshalb müsse man ab und zu mal Ruhe ins Spiel bringen, über Ballbesitz eine Partie entschleunigen. "Denn wenn man permanent vor- und zurückgeht, ist irgendwann der Akku leer."

SV 98, erste Halbzeit: Schuhen - Stanilewicz, Höhn, Mai, Holland - Palsson- Manu, Mehlem, Kempe, Seydel (26. Arslan) - Platte.

SV 98, zweite Halbzeit: Stritzel - Herrmann, Pfeiffer, Rapp, Zehnder - Palsson (59. Crosthwaite) - Berko, Schnellhardt, Paik, Honsak - Dursun (85. Klaus).

Schiedsrichter: Christoffer Reimund (Zwingenberg), Tore: 0:1 Platte (15.), 1:1 Wurtz (32.), 2:1 Pfeiffer (61./Eigentor), Zuschauer: 0.