Ex-Lilie Jungwirth kritisiert Regierung

aus SV Darmstadt 98

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Engagiert nicht nur auf dem Platz: Florian Jungwirth hat eine eigene Meinung – und die teilt er auch gerne mit. Foto: dpa

(dpa/jaf). Fußballprofi Florian Jungwirth hat vor dem Comeback-Turnier der Major League Soccer (MLS) mit Kritik am Umgang der US-Regierung mit der Corona-Krise für Aufsehen...

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ORLANDO. (dpa/jaf). Fußballprofi Florian Jungwirth hat vor dem Comeback-Turnier der Major League Soccer (MLS) mit Kritik am Umgang der US-Regierung mit der Corona-Krise für Aufsehen gesorgt. „Hier in den USA muss man ganz klar von politischem Versagen sprechen“, sagte der 31-Jährige, der seit 2017 für die San Jose Earthquakes spielt, der tz/Münchner Merkur. „Ich bin weder Politiker, noch Arzt oder Virologe, aber es ist kein Geheimnis, dass Amerika im Kampf gegen Corona versagt hat. Das hat aber nicht nur Präsident Donald Trump getan, sondern auch die Gouverneure.“

Jungwirth, der von Sommer 2014 bis Januar 2017 beim SV Darmstadt 98 gespielt hatte, wird beim Turnier der MLS in Orlando trotzdem dabei sein – auch wenn der Preis hoch ist. „Man ist mindestens einen Monat weg von der Familie“, sagte Jungwirth dem Amateurfußball-Podcast „Mixed Zone“. Doch generell sei es eine gute Sache: „Wie die MLS das organisiert und wie sie dafür Geld in die Hand genommen hat, da muss man schon ein Kompliment machen.“ Natürlich seien auch finanzielle Gründe verantwortlich, weiß Jungwirth. „Es geht ja auch um das Überleben der Liga. Persönlich kann man das alles nicht so einfach wegstecken, aber insgesamt passt es schon.“

Die Präsidentschaftswahl im kommenden November habe die Krise verschärft. „Es wäre zu wünschen gewesen, dass Demokraten und Republikaner zusammenarbeiten, um die Probleme zu lösen. Stattdessen schießen sie nur Giftpfeile aufeinander“, sagte der defensive Mittelfeldspieler. „Viele republikanische Staaten haben den Lockdown sehr früh beendet, die demokratischen Staaten hatten sehr lange eine Quarantäne und haben es zum Teil noch heute. Wenn es ein Miteinander gegeben hätte, wären vielleicht ganz andere Lösungen dafür gefunden worden.“

Die USA zählen derzeit fast drei Millionen Corona-Infektionen; mehr als 131 000 Menschen sind bisher an oder im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Die MLS will dennoch im abgeschotteten „ESPN Wide World of Sports Complex“ auf dem Gelände des Vergnügungsparks Disney World in Orlando das Turnier ausspielen. Jungwirths Earthquakes spielen in der Nacht zum Samstag zunächst gegen die Seattle Sounders.

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Nach dem Wettbewerb in Orlando soll die im März nach zwei Spieltagen unterbrochene reguläre Saison fortgesetzt werden. Das Turnier in Florida hat trotzdem sportlichen Reiz: Die Punkte aus den Gruppenspielen zählen für die reguläre Saison, der Sieger erhält zudem ein Ticket für die Concacaf-Champions-League. Die Teams treten zunächst in drei Gruppenspielen und K.o.-Spielen gegeneinander an, das Finale ist für den 11. August geplant.

10 000 neue Corona-Fälle pro Tag in Florida

Doch nicht nur Jungwirth macht sich so seine Gedanken. „Wir haben Bedenken, keine Frage“, sagt auch Greg Vanney, Trainer des FC Toronto. Die positiven Fälle zeigten, „dass die Blase nicht undurchlässig ist und dass es weiterhin Probleme gibt. Keine Ahnung, wo uns das hinführt.“ Kanada beherrscht die Pandemie derzeit weitgehend, aber südlich der Grenze „nehmen die Menschen die Dinge nicht ernst, in vielerlei Hinsicht ist es außer Kontrolle“, kritisiert Vanney. Allein in Florida gibt es aktuell rund 10 000 neue Fälle pro Tag.