„Edu“ Trippels optimaler Start ins olympische Jahr

Mal wieder energisch und gewinnbringend zugepackt: Eduard Trippel (unten) legt in Doha sogar den topgesetzten Kubaner Ivan Felipe Silva Morales aufs Kreuz und holt Bronze. Archivfoto: imago

Der Rüsselsheimer Spitzenjudoka bezwingt in Doha unter anderen den Weltranglisten-Zweiten und meldet sich mit Bronze beim World Masters zurück.

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DOHA. Andreas Esper war begeistert: Mit Worten wie „super“ und „Wahnsinn“ kommentierte der Heimtrainer von Eduard Trippel aus der Ferne den Auftritt des Rüsselsheimer Judoka beim World Masters in Doha. In der Klasse bis 90 Kilogramm gewann der 23-Jährige bei den Wettkämpfen am Mittwoch in der katarischen Hauptstadt eine Bronzemedaille. Dabei rang der dreimalige deutsche Meister auf dem Weg zum Podest einige absolute Hochkaräter seines Sports auf der Matte nieder.

„Es gibt solche Tage, an denen man sich einfach unbezwingbar fühlt“, erklärte Esper nach der Übertragung im Livestream. Dass Trippel einen solchen am Persischen Golf erleben würde, war nicht unbedingt abzusehen gewesen. Die lange, pandemiebedingte Wettkampfpause im Vorjahr hatte sich beim WM-Fünften von 2018 zuletzt doch negativ bemerkbar gemacht. Ohne Turnierpraxis und mit dünnen Nerven verlor er im Spätsommer sein Duell bei einem Länderkampf in Österreich und auch später in der ersten Runde der Europameisterschaften in Prag.

In Doha, wo sich laut Esper bis auf eine Ausnahme die gesamte Weltspitze in Trippels Gewichtsklasse versammelt hatte, erwischte der Hesse als ungesetzter Teilnehmer auch noch ein äußerst schweres Los. „Es hätte auch gleich nach dem ersten Kampf vorbei sein können“, betont der JCR-Coach. Denn der Niederländer Jesper Smink, gegen den der Hesse zuerst antrat, hatte zuletzt mehrmals die Oberhand im direkten Aufeinandertreffen behalten. Diesmal reckte Trippel bereits nach 66 Sekunden die Faust und ließ sich danach auch nicht von dem topgesetzten Weltranglistenzweiten Ivan Felipe Silva Morales aus Kuba beeindrucken. Erst im Pool-Finale gegen den EM-Dritten und späteren Silbermedaillengewinner Beka Gviniashvili aus Georgien, in dem es um den Einzug in die Entscheidung um Gold ging, zog Trippel den Kürzeren. „Einen Kampf auf Messers Schneide“ hatte nicht nur Esper dabei gesehen, dessen Ausgang den Griff nach dem wertvollsten Edelmetall im Sport aber nicht mehr möglich machte.

In der Hoffnungsrunde sollte nach dem Triumph über den Usbeken Davlat Bobonov, zuletzt Sieger beim Grand Slam in Düsseldorf, Europameister Michail Igolnikow die letzte Hürde für den Weltranglisten-17. darstellen. Doch der Russe trat verletzungsbedingt nicht an, und Trippel musste sich zu Beginn des Finalblocks nur noch kurz auf der ansonsten leeren Matte verbeugen, bevor er über seine glänzende Plakette jubeln durfte. „Auf diesem Niveau muss alles stimmen, um so weit zu kommen“, betonte Esper. Vom guten Schlaf über das Essen bis hin zum Judogefühl. Gerne hätte er selbst auch noch den letzten Kampf seines Athleten gesehen. Aber es soll die Leistung keineswegs schmälern, dass dieser nicht zustande kam.

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Einen viel besseren Start ins olympische Jahr hätte es für Trippel kaum geben können. Nicht nur, dass der angehende Polizeikommissar gehörig Selbstbewusstsein tanken konnte – als Lohn für die beeindruckende Performance, die auch vom Moderator im weltweiten Livestream als „großartig“ und angesichts der Qualität des Feldes vom Deutschen Judo-Bund (DJB) als bislang größter internationaler Erfolg des Sportlers gerühmt wurde, wartet ein satter Zuschuss zum Punktekonto. Dieses entscheidet über den Stand in der Weltrangliste und damit auch die Olympiaqualifikation und das Ranking für die Spiele in Tokio.

Wie es genau weitergeht mit den Turnieren, die dafür noch zählen, steht nicht fest. Aber immerhin kann Trippel jetzt laut seinem Trainer zurückblicken auf einen Auftritt, „bei dem es überhaupt nichts zu meckern gibt“.