Hofheimer Fußball gibt sich vital

Wann die Freunde des Fußballs wieder solche Szenen an der Zeilsheimer Straße beobachten können, ist zurzeit völlig offen.

In Deutschland zählte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der Saison 2018/2019 rund 1,5 Millionen Fußballspiele. Diese Zahl wird aller Voraussicht nach in der (noch)...

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HOFHEIM. In Deutschland zählte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der Saison 2018/2019 rund 1,5 Millionen Fußballspiele. Diese Zahl wird aller Voraussicht nach in der (noch) laufenden Spielzeit nicht erreicht werden können. Bedingt durch die Coronakrise und der damit verbundenen Schließung aller Spiel- und Sportstätten in der Republik fiel die Austragung bis dato bereits zahlloser Begegnungen dem Rotstift zum Opfer.

Wann die Freunde des Fußballs wieder solche Szenen an der Zeilsheimer Straße beobachten können, ist zurzeit völlig offen.
Auch für die Fußballjugend gilt es, sich in Geduld zu üben. Fotos: Harald Gross

Der Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga und der Zweiten Liga bleibt wegen der Corona-Pandemie bis mindestens zum 30. April ausgesetzt. Ob es danach weitergehen kann, ist allerdings völlig offen. Auch der Trainingsbetrieb ist von der Anordnung im Sinne der Bekämpfung des Coronavirus betroffen. Somit ruhen auch in Hofheim Spiele und Training. Die Verantwortlichen der ortsansässigen Vereine zeigen nicht nur Verständnis für die getroffene Maßnahme, sie sind vorsichtig optimistisch, anstehende Herausforderungen organisatorischer und finanzieller Art zu meistern.

Auf dem Sportplatz des 1. FC Lorsbach drehte der Platzwart vor einigen Tagen seine letzten Runden. Für den Ersten Vorsitzenden Bernd von Boom ist es nicht erbaulich, das Spielfeld an der Bornstraße nur noch zur Leerung des Briefkastens zu betreten.

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„Durch die Absage der Spiele und des Trainings ist das aktive Vereinsleben auf Null gestellt. Die Ausgaben, unter anderem für Strom und Versicherungen, laufen ungebremst weiter, und die Einnahmen aus den Heimspielen fallen komplett aus. Da müssen wir sehen, wie wir da durchkommen. Es nützt jedoch nichts, zu jammern. Wir versuchen, gelassen zu bleiben und in aller Ruhe mit den Dingen, die noch kommen werden, umzugehen. Die Spieler wissen, was sie zu tun haben, um fit zu bleiben“, so von Boom. Wenig Sinn macht es für ihn, sich über „hätte, könnte und würde“ Gedanken zu machen. Die Wertigkeit einiger Dinge habe sich in den vergangenen Tagen verschoben. Zurzeit sei es einfach nur wichtig, gesund zu bleiben.

Ähnlich äußerte sich auch Christoph Frieser, Vorsitzender der SG Nassau Diedenbergen: „Ein Wunsch ist es, dass durch die Coronakrise die gesellschaftliche Bedeutung eines Vereins mehr in das Bewusstsein der Menschen rückt. Was zu einer höheren Bereitschaft führen kann, das individuelle Streben etwas ’runterzufahren und sich in solchen Institutionen mit ihren vielfältigen Bereichen zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen.“ Selbst wenn zurzeit keiner sagen kann, wann und wie es weitergehen wird, laufen bei der SG Nassau auf sportlicher Ebene bereits die Planungen für die kommende Spielzeit.

Telefoniere, skypen,mailen

Vorstandsmitglieder telefonieren, skypen und mailen, um die Zukunft zu planen, zumal es im kommenden Jahr das 100-jährige Jubiläum zu feiern gilt. Momentan sei der Verein finanziell zwar gut aufgestellt, es sei jedoch existenziell wichtig, ab Oktober wieder die großen Feste feiern zu können. „Es ist derzeit jedoch nur schwer möglich, mit Catering-Firmen und gastronomischen Betrieben diesbezüglich Verträge abzuschließen. Diese äußerten konkrete Bedenken darüber, ob sie bis zum Herbst überhaupt noch existieren können“, beschreibt Frieser ein Problem in der Planung. In der Zeit der Krise sind Diedenbergens Fußballer bereit, für Bürger des Ortes ihre Hilfe anzubieten. „Wer Unterstützung braucht, kann uns gerne anrufen, wir werden in jedem Fall versuchen, etwas auf die Beine zu stellen“, verspricht Frieser. Er geht davon aus, dass die augenblicklich bestehenden Beschränkungen etwa in vier Wochen vorüber sein werden, denn „was bringt ein Shut Out, der schlimmer ist als die Krankheit?“

Einen Einkaufsdienst für Menschen, die dies in der momentanen Situation nicht eigenständig bewältigen können, bieten die Fußballer des TV Wallau an. Die Kontaktaufnahme für diesen Service ist im Internet über die facebook- und Instagram-Seiten des Vereins sowie telefonisch bei Pressesprecher Philipp Durillo, Telefon (01 51) 2818 11 44 möglich. Aus sportlicher Sicht kommt die Zwangspause für die Wallauer Kicker recht ungelegen. „Wir sind sehr gut aus der Winterpause gekommen und konnten in zwei Spielen vier Punkte gegen die Konkurrenz aus Eschborn und Bad Soden einfahren. Ob es möglich sein wird, unser gestecktes Ziel, vorne mitspielen zu wollen, nach der Unterbrechung fortzusetzen, ist unter den gegebenen Umständen fraglich“, blickt Durillo in die ungewisse Zukunft der laufenden Saison. Über Mitteilungen in den sozialen Medien ist Teammanager Manuel Kamm bemüht, den Zusammenhalt der Spieler und den Fortbestand des Mannschaftsgeistes aufrecht zu halten. Die Ausrichtung der 80er-und-90er-Party des Vereins musste wegen der Planungsunsicherheit bereits abgesagt werden.

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Wie auch in Wallau ist man sich in Hofheim bei den Verantwortlichen des Sportvereins 09 durchaus darüber im Klaren, dass eine Fortsetzung der Spielzeit mit zahlreichen Nachholspielen nur schwer zu realisieren sein wird. „Die Fragen, ob und wie die Saison fortgesetzt werden kann, wie viele Auf- und Absteiger es geben wird und ob es überhaupt Meisterschaften gibt, kann zurzeit nicht beantwortet werden“, beschreibt Pressesprecher der 09er, Willi Heymann, die Situation. Wenn Ende Mai wieder gespielt werden könne, sei es durchaus vorstellbar, die ausgefallenen Spiele im Rahmen von „englischen Wochen” nachzuholen und die Saison somit zu beenden. Sollte die Unterbrechung des Spielbetriebes mehr als sechs Monate dauern, würde zudem die Ausbildungsentschädigung für Spieler, die zu anderen Vereinen wechseln, entfallen. „Insgesamt ist die Stimmung schon etwas gedrückt. Es fehlen einfach die Treffen und Begegnungen zum Training und den Spielen. Als freudiges Ereignis bezeichnete Heymann das 25-jährige Jubiläum von Vereinswirt Armin Rudorfer. Dessen ehrenamtliche Tätigkeit stellt einen unersetzlichen Beitrag zu einem reibungslosen Ablauf der Trainingseinheiten und Begegnung an der Zeilsheimer Straße dar.

Kooperationen geplant

Einem Verein, der nicht nur Fußball, sondern auch andere Sportarten unter seinem Dach beherbergt, steht Jürgen Noll vor. Auch für die SG Wildsachsen laufen feste Kosten weiter. „Es müssen ja auch Trainer bezahlt werden, die ihre Dienstleistung im Moment nicht erbringen können. Finanziell können wir dieses Situation für ein halbes Jahr stemmen, dann muss man sehen, wie es weitergehen kann“, so Noll. Die Stimmung im Verein sei trotz alledem prima. Zumal die Sportgemeinschaft erst vor einem halben Jahr ein Yoga-Angebot ins Leben gerufen hat, das alle Erwartungen übertroffen habe. Gleiches gelte für das Kinderturnen. Auch hier geht die Nachfrage über vorhandene Kapazitäten hinaus. Der Jugendbereich erfreue sich einer gut funktionierenden Zusammenarbeit mit den Gemeindenachbarn aus Medenbach. Für die Tischtennis-Abteilung plane man ebenfalls, mit anderen Vereinen in Kooperation zu treten.

„Wie lange die Beschränkung der sozialen Kontakte noch dauern wird, kann niemand voraussagen. Bei einer Freigabe des Sportplatzes und der Halle, sind wir binnen weniger Tage in der Lage, den sportlichen Betrieb wieder auf Touren zu bringen“, beschreibt der Vorsitzende Bereitschaft und Einsatz der Wildsächser für ihren Sport. Des Weiteren spannt Noll den Bogen hinein in die Politik und äußert Befürchtungen, dass eine unglückliche Bewältigung der Corona-Krise dem rechten Rand des politischen Spektrums weiteren Zulauf bescheren könnte: „Wir verwehren uns ausdrücklich gegen jede Szenerie mit braunem Touch und werden uns auch zukünftig mit Händen und Füßen gegen eine derartige Entwicklung stemmen.“

Eine Möglichkeit, wie der Fußballbetrieb trotz Corona hätte weiterlaufen können, formuliert der Vorsitzende der Hofheimer Moskitos, Kai de Fries: „Vielleicht wurde es einfach nur versäumt, den Fußball als körperloses Spiel zu versuchen. Mit einem Abstand von einem Meter 50 bis zwei Metern zwischen den Spielern hätten möglicherweise bisweilen ungeahnte Möglichkeiten in dieser Sportart zu Tage treten können”, sinniert de Fries über eine neue Variante. Die Situation sei zwar bedauerlich, berge jedoch auch die Möglichkeit, festgefahrene Verhaltensmuster zu überdenken und zu verändern. Fußball sei eine der schönsten Nebensachen der Welt, bei der es bei einigen auch um viel Geld gehe, was momentan allerdings eher belanglos erscheine. „Das durchschnittliche Alter unserer Spieler liegt bei über 50 Jahren, und wir gehören auch keiner Liga mehr an, freuen uns aber heute schon darauf, donnerstags wieder auf dem Platz stehen zu können“, so de Fries. Darüber hinaus zeigte er sich sehr zufrieden mit der Kommunikation mit dem Landessportbund, dem Hessischem Fußballverband und der Stadt Hofheim, die stets darum bemüht seien, die Vereine mit Informationen zur aktuellen Situation zu versorgen.

„Alle hoffen und fiebern, dass es bald wieder losgehen kann“, so zeichnet der Vorsitzende des Marxheimer FC, Mathias Czerner, die Stimmungslage im Verein. Die Absage des Cortexpower-Cups wiege zwar schwer, aber die dadurch entstandene finanzielle Einbuße werde man anderweitig schon zu stemmen wissen. Auch habe man bereits viel Zeit und Energie in die Austragung des mit internationaler Beteiligung ausgestatteten Jugendturniers gesteckt. Der Kopf werde jedoch nicht in den Sand gesteckt. „Die Vorstandsarbeit geht weiter, und die Spieler bekommen ihre Hausaufgaben von den Trainern via Instagram und WhatsApp. Es wird sich dann im ersten Spiel nach der Unterbrechung zeigen, wer mitgezogen hat“, so Czerner. Neben Informationen an Spieler und Mitglieder zu der aktuellen Entwicklung in der Corona-Krise, ist man in Marxheim darum bemüht, sich in die Lage zu versetzen, den Spielbetrieb gegebenenfalls aus dem Stand wieder aufnehmen zu können. „Im Laufe der Saison haben wir unsere Zielvorgabe nach oben korrigieren können. Sodass unsere junge Mannschaft, mit vier A-Jugend-Spielern, die Möglichkeit gehabt hätte, den Druck zu spüren, der oben herrscht“, beschreibt der Vorsitzende die sportliche Situation. Ansonsten will man einfach „gut aus der Sache rauskommen“ und sich auf der Heide unter neuer Flutlichtanlage wieder den Fans präsentieren.