„Wir wollten was anderes als Fußball“

Frank Siebers mit Familie. Foto: Gemeinde Kriftel

Eigentlich ist er ja große Runden gewohnt. Und jede Menge Zuschauer. Baseball eben. Jetzt, am 15. November zu Frank Siebers 50. Geburtstag, war coronabedingt alles anders....

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KRIFTEL. Eigentlich ist er ja große Runden gewohnt. Und jede Menge Zuschauer. Baseball eben. Jetzt, am 15. November zu Frank Siebers 50. Geburtstag, war coronabedingt alles anders. Kleiner, privater, überschaubarer. Ein bisschen schade eigentlich. Das fand auch Kriftels Bürgermeister Christian Seitz in seinen Geburtstagsgrüßen per Social Media und per Telefon: „Ich hätte Dir gewünscht, dass Du Deinen Geburtstag hättest gebührend feiern können. Sicher holen wir das alle dann irgendwann mal nach.“

Er dankte Frank Siebers für sein großes Engagement als Präsident der Redwings, aber auch in der sonstigen Krifteler Vereinswelt zusammen mit seiner Frau Anja. Auch dass er ihn als Hallenkoordinator für die Gemeinde für unverzichtbar hält, blieb nicht unerwähnt.

Krifteler mit Leib und Seele

Frank Siebers ist nicht nur Vereinspräsident des größten Baseballvereins in Hessen und ein umgänglicher Mensch des Ausgleichs, er ist auch in erster Linie Krifteler. Das lässt sich schon am vollständigen Namen seiner Redwings ablesen: Baseball Club Main-Taunus Redwings Hofheim/Kriftel 1994 e.V. „Obwohl die Spielstätte in Hofheim liegt, darf Kriftel im Namen nicht fehlen“, hat Siebers immer betont.

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Im Herzen trage er den Obstgarten des Vordertaunus sowieso. Da lege er Wert drauf. Familie Siebers stammt ursprünglich aus Niedersachsen. Die Familie zog nach Kriftel, als der Vater bei A&R Carton ein gutes Jobangebot erhielt. Seitdem sind die Siebers mit Leib und Seele Krifteler und im hiesigen Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Aber Baseball und Kriftel, wie geht das zusammen?

Wenn der Durchschnittsdeutsche an Baseball denkt, kommt ihm vielleicht der Baseball-Filmklassiker „Eine Klasse für sich“ in den Sinn, oder er hat den ewigen Verlierer Charlie Brown der Comicserie Peanuts vor Augen, der mit seinem sehr individuellen Baseballteam nur ein einziges Spiel gewinnen konnte. Im Gegensatz dazu blicken die Redwings-Baseballer voller Stolz auf eine 25-jährige Erfolgsgeschichte zurück.

Die Wahrheit lag wie immer auf dem Platz, genauer gesagt auf dem Krifteler Freizeitpark- Gelände. Dort trafen sich in den frühen neunziger Jahren ein paar jüngere Krifteler, um sich sportlich zu betätigen. „Wir wollten was anderes machen als Fußball“, erinnert sich Frank Siebers.

Einer aus der Gruppe, Frank Wellstein, brachte eines Tages einen Baseballschläger mit und dazu eine ordentliche Portion Begeisterung für diesen Sport. Anstecken ließen sich davon nicht nur die übrigen Freunde, sondern auch andere, die dem Treiben nicht nur zusehen wollten. Und so wurden es immer mehr, bis der Entschluss reifte, einen Verein zu gründen. Die Anfänge lagen ja in Kriftel, doch bald kam es zu Unstimmigkeiten mit Anwohnern des Baseballfeldes.

1996 gab es den ersten Ärger, als sich Anwohner am Linsenberg von den Trainingsgeräuschen belästigt fühlten. Schließlich klagten die Nachbarn, die Existenz des Vereins stand auf dem Spiel, die Mitgliederzahl sank, und tatsächlich verfügte ein Verwaltungsgericht die Einstellung des Spielbetriebs.

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Weiter ging es nur, weil der Langenhainer Sportplatz genutzt werden konnte. Ideen für eine Rückkehr nach Kriftel zerschlugen sich, bis der Verein sich mit der Stadt Hofheim über den Bau eines Spielfelds am Sportpark Heide einigen konnte.

Zwischenstation in Langenhain

Viel Eigenleistung wurde in den Platz gesteckt, bis er 2010 endlich in Betrieb genommen werden konnte. So hatte Baseball eine Brücke zu Hofheim geschlagen. In der Familie sind alle sportlich mit dabei: Ehefrau Anja Siebers leitet im größten Krifteler Verein, der TuS Kriftel, die große Abteilung „Breiten- und Fitnesssport“ und ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

Die drei Töchter Luna (15), Malaika (13) und Nelly (elf) begeistern sich für zwei Sportarten: Turnen bei Mama und Baseball bei Papa. Sohn Dennis (28) ist bislang das einzige Familienmitglied, das über die Grenzen Kriftels hinausgegangen ist. Nach der Ausbildung zum Industriekaufmann zog es ihn nach Australien und Neuseeland.

Auf die Herkunft seiner Spieler angesprochen, betont Jubilar Frank Siebers, dass immerhin rund ein Viertel von ihnen in Kriftel wohnen. Der Vorstand setze sich sogar paritätisch halbe-halbe aus Kriftelern und Hofheimern zusammen. „Da wächst zusammen, was sonst eigentlich nicht so gern zusammengehört“, fasst er zusammen. Und das sei doch gut so, dafür sei Sport schließlich doch auch da, meint der im Hauptberuf als IT-Leiter einer Frankfurter Softwarefirma tätige Siebers überzeugt.

Er verdanke Kriftel viel – und finde es sehr hilfreich, dass die Gemeinde Kriftel in pandemiefreien Zeiten seinen Redwings erlaube, in der Winterzeit in der Konrad-Adenauer-Halle kostenfrei zu trainieren. Denn trotz der Krise hätten sie weiterhin Zulauf, vor allem im Nachwuchsbereich, und zum Glück eine treue Mitgliederschaft. Er glaubt weiterhin an seinen Sport und hofft, dass seine Redwings mit noch vielen „Homeruns“ punkten.

Die Redwings haben, solange es ging, draußen trainiert und konnten sich zum Glück auf dem Sportpark Heide mit Flutlicht sportlich betätigen. „Für die Baseball-Schüler in Hessen bestand inmitten von Lockdowns und Hygieneregeln das Machbare in einer verkürzten Saison zwischen Sommer- und Herbstferien.

Vier Spieltage, kein Länderpokal, keine Deutsche Meisterschaft. Ein bisschen Gelegenheit für alle, das im Training Gelernte auf dem Platz umzusetzen, etwas Spielpraxis zu sammeln und vor allem Spaß am Spiel zu haben“, zieht Frank Siebers Bilanz.

Redwings in Corona-Zeiten

Durch den coronabedingten Ausfall des Spielbetriebs gibt es aktuell keinerlei Einnahmen aus dem Catering, sodass auch die Redwings – wie viele Vereine derzeit – sehen müssen, wie die Krise finanziell zu bewältigen ist.

Die Anlage konnte dennoch weiter optimiert werden: Im letzten Jahr gab es im Rahmen der 25-Jahr-Feier einen Zuschuss von der Naspa-Stiftung in Höhe von 15 000 Euro für eine Bewässerungsanlage auf dem Feld. Dieses Projekt mit einem Gesamtvolumen von knapp 90 000 Euro wurde 2020 umgesetzt und die Anlage erfolgreich in Betrieb genommen.

Von Alexander van de Loo