Hugo Koblet - Der Schweizer, der ein ganzes Land narrte

Die Beine nicht müde, die Haare gut frisiert: Hugo Koblet arbeitet elegant und erfolgreich auf seinem Rennrad.Archivfoto: dpa

Hugo Koblet gewinnt 1950 als erster Nicht-Italiener den Giro d‘Italia, weil die Favoriten ihn unterschätzen. Schon wenige Jahre danach verglüht der Stern, weil ihm Ärzte...

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. Von Björn-Christian Schüßler

32 Ausgaben lang war der Giro d’Italia fest in italienischer Hand. Doch ausgerechnet, als erstmals der Papst dem Sieger der Landesrundfahrt nach rund 4000 Kilometern eine Audienz gewährte, schnappte sich ein Nicht-Italiener den Titel. Und wie: Das vermutlich größte Radsport-Talent der Schweiz hängte seine Konkurrenz beim 33. Giro um mehr als fünf Minuten ab.

Die Rede ist von Hugo Koblet. Der Züricher narrte 1950 die Topfavoriten Fausto Coppi und Gino Bartali zunächst auf den Flachetappen, als der damals 25-Jährige frech Angriffe lancierte und munter in der Spitzengruppe mitfuhr. Sein Landsmann Ferdy Kübler warnte die Italiener, dass Koblet auch in den Bergen stark mithalten würde. Doch Bartali und Co. unterschätzten den Schweizer Straßenmeister, der sein Heimspiel in Locarno nach 220 Kilometern sowie die Etappe in Vicenza für sich entschied, dort auch das Rosa Trikot des Gesamtführenden übernahm und sich am 13. Juni in Rom überraschend feiern ließ. Nebst Besuch im Vatikan bei Pius XII.

Koblet brachte alles mit, um ein ganz großer seiner Zunft zu werden. Ein Jahr später triumphierte der Radfahrer mit der stets vor der Zieldurchfahrt noch einmal gekämmten Tolle, der genau deshalb den Ehrennamen „Pédaleur de charme“ trug, auch bei der Tour de France – mit dem sagenhaften Vorsprung von 22 Minuten vor dem Zweiten. Taktieren war nicht das Ding des Schweizers, der in einfachen Verhältnissen aufwuchs. Volle Pulle fuhr er immer wieder allen davon.

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Koblet hätte der Welt noch viel geben können, wäre er nach einem Sturz nicht Opfer einer missglückten Operation geworden, die ihn 20 Prozent seiner Herzleistung kostete. Hätte der elegante Radsportler nicht nach einer Nierenbeckenentzündung ohne sein Wissen eine Spritze mit Amphetaminen verabreicht bekommen. Hätte er seinem geliebten Beruf länger nachgehen können. Und wäre er 1964 nicht in sein Auto gestiegen, um gegen einen Birnbaum zu fahren.