Moderner Fünfkampf: Keine Bestrafung wegen Tierquälerei

Annika Schleu (rechts) und Bundestrainerin Kim Raisner während der dramatischen Minuten im Finale des Modernen Fünfkampfs der Olympischen Spiele in Tokio. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft hat das vom Deutschen Tierschutzbund veranlasste Verfahren im Modernen Fünfkampf eingestellt. Annika Schleu und Kim Raisner müssen nur etwas spenden.

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POTSDAM/DARMSTADT. Nach dem Olympia-Drama um die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen Tierquälerei eingestellt. Die Beschuldigten hätten bei den Sommerspielen in Tokio auf das Reitpferd nur kurzfristig eingewirkt und sich in einer physischen und psychischen Ausnahmesituation des olympischen Wettkampfs befunden. "Dem Turnierpferd wurden zudem keine Verletzungen zugefügt", hieß es weiter in einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der wegen des Wohnorts der Beschuldigten zuständigen Staatsanwaltschaft in Potsdam. Die Strafanzeige hatte der Deutsche Tierschutzbund gestellt in Folge des Umgangs der Reiterin mit dem scheuenden Pferd und der Aufforderung der Trainerin zum Einsatz der Gerte mit den Worten: "Hau mal richtig drauf!"

Der Vorstand des in Darmstadt beheimateten Deutschen Verbandes für Modernen Fünfkampf (DVMF) reagierte zufrieden auf die Entscheidung: "Mit der Einstellung des Verfahrens wird eine unnötige Belastung unserer Gerichte vermieden. Deshalb ist die Einstellung sehr zu begrüßen." Für die Deutsche Reiterliche Vereinigung begrüßte Geschäftsführer Dennis Peiler, dass "der Vorfall nun juristisch bewertet und das Verfahren damit abgeschlossen ist."

"Ich freue mich für Annika Schleu und Kim Raisner. Ich habe auch kein Verständnis für die Staatsanwaltschaft gehabt, überhaupt ein Verfahren einzuleiten", erklärte der im südhessischen Gundernhausen lebende Klaus Schormann, der als Präsident des Weltverbandes für Modernen Fünfkampf (UIPM) Augenzeuge des Geschehens war, in dem Annika Schleu das ihr zugeloste Pferd nicht mehr in den Griff bekam.

"Angesichts der geringen Auswirkungen der Tat und vor dem Hintergrund der fortgesetzten medialen Berichterstattung ist von einer ausreichenden Einwirkung auf die strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getretenen Beschuldigten durch das Ermittlungsverfahren auszugehen", erklärte die Staatsanwaltschaft, die angesichts der beschlossenen Verbannung des Reitens aus dem Modernen Fünfkampf bei Olympia "auch keine Wiederholungsgefahr sieht".

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Beide Beschuldigte sollen jedoch einen nicht bezifferten Geldbetrag für einen gemeinnützigen Zweck spenden. "Die Einstellung erfolgte mit Zustimmung unserer Mandantin", erklärte Raisners Anwalt Simon Bergmann. Ausschlaggebend sei gewesen, dass ein langwieriges Ermittlungs- und Gerichtsverfahren mit Belastungen für alle Beteiligten vermieden werden konnte. Auch Annika Schleu äußerte sich über ihre Anwälte und ließ ankündigen, weiter über den Schutz von Tieren - speziell Pferden - diskutieren zu wollen.

"Beide haben meine volle Unterstützung und beide sind nach wie vor willkommen in der UIPM-Bewegung", erklärte Klaus Schormann, nach dessen Worten sein Verband regelmäßig nach Olympischen Spielen mit Vorwürfen und auch Anzeigen wegen Tierquälerei konfrontiert ist. Dies wird letztmals 2024 so sein, wenn letztmals Reiten zum Olympischen Wettkampf gehört. Eine Entscheidung, die laut Schormann schon vor dem Drama von Tokio eingeleitet worden war.